Kühlfach 4

Wieder ein Krimi, dacht ich mir. Dazu noch ein hochgelobter, der dann auch noch in Köln spielt. Allein die Pressestimmen bei amazon hätten mich schon misstrauisch machen sollen. Aber im Grunde kann ich mich nicht beschweren, denn „Kühlfach 4“ gab es als kostenlose Dreingabe zu meinem eBook-Reader.

Da ich es bisher noch nicht gelesen hatte, wollte ich es über Wochenende nachholen. Heute morgen war ich dann erst auf der letzten Seite und klappte das Buch zu – ach nein, das trifft in diesem Fall ja nicht zu, weil es ja rein digital war. Lassen wir die flache Witze und steigern uns nicht wesentlich weiter, wenn wir uns dem eigentlichen Roman zuwenden. Ein Krimi, so viel vielleicht schon mal vorweg, ist es es jedenfalls nicht.

Die Grundidee klang vielversprechend. Der Geist des toten Autodiebs Pascha geistert durch die Gerichtsmedizin und „spricht“ zum Rechtsmediziner Martin Gänsewein. Gemeinsam machen sie sich daran, den Mord an Pascha aufzuklären. Martin ist dabei davon überzeugt, dass es eigentlich ein Unfall war und diese nichts mit der Toten im Kofferraum des letzten von Pascha geklauten Wagens zu tun hat.

Das „Kühlfach 4“ von Jutta Profijt mit einem Prolog anfängt, war zu verschmerzen. Der Anfang des ersten Kapitels war dann schon sperrig:

Der Tag, an dem, wie ich heute weiß, alles anfing, begann übel, sozusagen auf dem untersten Level, ich hätte also gewarnt sein müssen. Allerdings, und das muss ich zu meiner Entschuldigung sagen, fingen die meisten Tage so an.

Wenn man sich Mühe gibt, kann man den Versuch, einen narrativen Haken auszuwerfen, gerade noch so erkennen. Sprachlich ist der erste Satz eher eine mittlere Katastrophe. Aber wie gesagt, dass Buch war geschenkt und ich mochte die Idee. So hab ich dann weite gelesen. Die Geschichte plätscherte so dahin, ohne große Überraschung. Pascha und Martin Gänsewein blieben dabei leider zweidimensional und blutleer (nun, bei einem Geist überrascht so was nicht…).
Teilweise ist der Handlungsverlauf extrem unglaubwürdig, wie zum Beispiel die Studentin, die sich für ihre Diplomarbeit in Bordells rumtreibt. Natürlich nur zu Recherche. Da das Frau Profijt wohl auch zu weit hergeholt erschien, hat sich die Tote Prostituierte zu einer illegalen Studentin umgestrickt, die dann die BWL-Studentin erst auf die Idee zu ihrer Diplomarbeit gebracht hatte. Nun ja. Vom Konzept der maximalen Figurenkapazität scheint Frau Profijt auch noch nichts gehört zu haben. Beim Lesen fragt man sich mehrfach, warum Martin so handelt, wie es die Autorin gerade will, denn er tut Dinge, die er als sauber angelegte Figur nie tun würde. Auch nicht, wenn ein Geist ihm gut zuredet.

Geld abheben und sich dann Edelbordellen aufzusuchen, um mehr über die Tote Prostituierte zu erfahren, nach dem er gerade erheblichen Beziehungsstress mit seiner Freundin hatte, ist kein überzeugende Idee.

Die letzten Seiten lesen sich dann so, als ob der Autorin die Puste ausgegangen wäre. Das Ende ist eine herbe Enttäuschung. Vielleicht noch mal zur Erinnerung: Romane tendieren dazu, abgeschlossen zu sein – oder sollten es zumindest. Fragen offen zu lassen, ist nur so ein Spruch und eher schlechter Stil.
Fazit: Auch wenn die medizinischen Details korrekt sind, so passt der Rest nicht zusammen. Die Sprache der (Klein-)Kriminellen ist nur so, wie sich das die Autorin vielleicht vorstellt, aber keinesfalls authentisch. Nicht mal satirisch könnte man das nennen. Entlarvend ist auch, dass Pascha immer mehr in den normalen Sprachgebrach der Autorin „abrutscht“, da er sich die Redeweise von Gänsewein aneignet. Sorry, aber für solche Ausreden habe ich kein Verständnis. Schade um die Idee.

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