Mitgliedschaft ohne Wert

Sollte ich für dieses Jahr gute Vorsätze gehabt haben, so wäre „nicht mehr so viel aufregen“ sicher darunter gewesen. Allerdings wäre es mit dem Vorsatz spätestens seit dem vergangen Wochenende vorbei gewesen.

Mein persönliche Meinung zu Thilo Sarrazin habe ich in der Vergangenheit mehrfach in diesem Blog kundgetan. Auch wenn unter Genossen in der Partei das „Du“ übliche ist, möchte ich mich mit diesem Herren lieber nur siezen (wobei ich vermutlich nicht in die Verlegenheit kommen werde). Das Sarrazin immer noch Mitglied in der SPD ist, bedaure ich zutiefst. Mir stellt sich die Frage, warum er nicht selbst einfach austritt. Welchen Wert misst er seiner Mitgliedschaft noch bei? Bereitet es ihm vielleicht sogar Freude, die Partei leiden zu sehen? Man weiß es nicht.

Die Entscheidung der SPD-Spitze, ihn nicht aus der Partei auszuschließen, war nicht nur falsch, sondern ramponiert das Ansehen der Sozialdemokraten nachhaltig. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Die Frage ist dabei allerdings, ob dass in jedem Fall eine kluge Idee ist. Allein eine Aussage wie diese

Es ist bekannt, dass der Anteil der angeborene Behinderungen unter den türkischen und kurdischen Migranten weit überdurchschnittlich ist.

rechtfertigt meiner Meinung nach schon einen Ausschluss aus der SPD. Das jetzt statt Sarrazin andere Genossen die Partei verlassen, ist verständlich, aber sehr schmerzlich. War es das, was die SPD-Spitze wollte? Harmonie um jeden Preis? Austritt derjenigen, die sich zurecht am offensichtlichen Rassismus von Sarrazin stoßen?

Es ist wieder so ein Tag, wo man sich für seine Partei schämen muss. Wo man betroffen den Kopf senkt, wenn man am türkischen Händler um die Ecke vorbeigeht. Früher gab es mal Ideale, heute nur noch Kompromisse. Interessant wäre es zu erfahren, was Sarrazin der SPD angeboten hat. Wird er in Zukunft schweigen? Wohl kaum.

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