Entschuldigen Sie meine Störung

Humor ist eine ernste Sache. Darüber macht man keine Witze. Wer das nicht glaubt, sollte mal mit nervös-verschwitzten Händen einen Witz erzählen, den er sich nur halb gemerkt hat. Genug Mut angeschrieben. Bleiben wir Ernst.

Das Buch von Jan-Uwe Fitz „Entschuldigen Sie meine Störung. Ein Wahsninnsroman“ lässt sich gut lesen, das schon mal vorweg. Es ist tatsächlich auch witzig geschrieben. Die Ideen in den Texten sind noch nicht zu abgegriffen, der ausgewaschene Faden mit der Wanderbaustelle ist ganz ordentlich, zumal nicht wenige Leser sich zumindest zeitweise selber von einer Baustelle verfolgt wähnen.

Allein, diese Idee trägt keine Handlung. Genau das ist auch eines der größeren Problem des Buches. Wer so was wie einen „Plot“ erwartet, wird enttäuscht sein. Vielmehr enthält das Buch eine Sammlung von Texten, die nur durch eine eingebildete Struktur verbunden sind. Bei näherer Betrachtung stellt man aber fest, dass dies das Lesevergnügen nicht trübt. Überhaupt kann man sich wenig Gedanken machen, da ein Feuerwerk von Selbstmitleid des „Protagonisten“, der zufällig auch Jan-Uwe Fitz heisst, einen von einem Kapitel zum nächsten scheucht. Nicht immer leuchten Kapitelüberschriften zur Orientierung, sondern manchmal machen fast sinnfrei wirkende Zahlen jeden bisherigen Therapieerfolg zunichte. So kann man natürlich auch versuchen, besonders modern und unkonventionell zu wirken.

„Entschuldigen Sie meine Störung“ ist das erste Buch des Autors, ohne Zweifel. Das Problem für weitere Bücher liegt in dem, was allgemein als „Abnutzung“ bezeichnet wird. Die spezielle Komik des Erstlings ist auf 287 Seiten angenehm kurzweilig, auch wenn man sich an einigen Stellen fragt, ob es jetzt nicht eine Portion zu viel war. Sich selber als Figur zu nehmen, ist auch ganz nett. Allerdings möchte verliert beides den Reiz, wenn man versuchen würde, nach gleichem Muster weitere Bücher zu stricken. Humor ist nicht nur eine ernste Sache, er ist auch verdammt flüchtig und extrem undankbar. Nicht wenige Komiker sind hinterrücks von ihren eigenen Witzen erstochen worden.

Jan-Uwe Fitz hat einen große Schar von Fans (oder sollte man Follower sagen?), die seine Ausführungen im Netz lauschen. Mit Sicherheit wird ein nicht kleiner Teil davon dieses Buch kaufen. Gegönnt sei es ihm auf jeden Fall. Aber Herr Fitz, bedenken Sie: Geld ist auch keine Lösung.

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