Fliegenpapier

Geschafft, ich hab es tatsächlich geschafft! In den vergangen Tagen hat es wirklich Momente gegeben, wo ich kurz davor war, aufzugeben. Entgegen anders lautender Kritiken kann ich bei „Fliege machen“ von Lucie Flebbe weder eine „gute aufgebaute Krimihandlung“ noch „Krimikunst“ erkennen.

Das Buch ist nicht einfach nur schlecht, es ist sogar ausgesprochen schlecht. Erst kurz vor Ende scheint der Autorin einzufallen, dass sie eigentlich einen Krimi schreiben sollte statt einer Milieustudie, die so vollgestopft ist mit Klischees, dass es einem beim Lesen ganz anders wird. Der „unnachahmlichen Erzählstil“ liest sich dabei so:

Beide Mädchen waren stark übergewichtig. Unter der Bomberjacke des dickeren quoll der Kälte zum Trotz eine nackige Speckschicht von der breite eines Kinderschwimmrings zwischen einem olivgrünen T-Shirt und einer überbreiten Hüftjeans hervor. Die fettigen Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz von undefinierter Farbe zusammengewurschtelt.

Das ist nicht „einfühlsam“ sondern abwertend. Auch kann ich beim lesen einen erkennen „glaubwürdigen wie spannenden Krimi“ nicht im Geringsten erkennen. Der gesamte Fall ist konstruiert und unglaubwürdig. Teilweise sind die logischen Lücken im Plot so groß wie die Löcher bei einem Emmentaler. Das die Polizeiarbeit dabei schlecht weg kommt, passt in das Bild einer Autorin, die mit aller Gewalt ihre Privatdetektive ins rechte Licht rücken will:

Nachdem wir im Polizeipräsidium Anzeige erstattet und ein schläfriger Beamter in einer nagelneuen blauen Uniform unser Aussage aufgenommen hatte,…

Auch Sozialarbeiter kommen bei Flebbe nicht gut weg:

Sein Gesicht war rechteckig, seine hellbraunen Locken zu lang und zu Jeans und Turnschuhen trug er einen Ohrring. Typisch Öko, von der Sorte, die in ihrer Freizeit winzige Zäune am Straßenrand errichten, um wandernde Kröten vorm dem Plattgefahren werden zu bewahren.

Beim „Gespenst der Armut“ findet sich ein treffendes Fazit zu diesem „Krimi“:

…in seinen sozialen Imaginationen aber etwas zu flott geschriebener Krimi, der hinter der Adaption des hard boiled-Stils amerikanischer Schule eine Verachtung der sozial Schwachen und ihrer professionellen Helfer kaschiert ..

So viel also zum Thema „Krimiwunder“. Wobei man das Zitat von Focus Online auch anders lesen kann. Man wundert sich, dass so was überhaupt als Krimi bezeichnet wird. Die Hoffnung auf einen guten Krimi habe ich zwar noch immer nicht aufgegeben, mich aber vorerst einem anderen Buch zugewendet, dass nicht „Krimi“ auf dem Cover stehen hat: „Entschuldigen Sie meine Störung“. Bisher ordentliche Unterhaltung.

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