CSI Colonia

Nach der enttäuschenden ersten „Expedition Colonia“-Event am vergangenen Sonntag ruhten meine gesamten Hoffnungen auf dem gestrigen Abend. Was natürlich völliger Blödsinn ist, denn eine Kriminalbiologische Spure mit Dr. Mark Benecke muss einfach gut sein (dachte ich mir jedenfalls).
Reißerisch angekündigt wurde die Veranstaltung mit „CSI Colonia“. Nun ja, so was ist eigentlich nicht nötig, denn deutsche Polizeiarbeit ist auch so spannend, dass sie weder einen Vergleich scheuen noch mit einer fragwürdigen Serie verglichen werden muss.

Einlass war um 19:00, daher waren DER CHEF und ich schon recht früh vor der Kulturkirche. Wer zu früh kommt, muss in solchen Fällen vor allem eins: warten. Nach dem Einlass war die Zeit bis zum Beginn um 20 Uhr kurzweilig, weil Benecke von seinem MacBook aus die Kirche mit Hilfe seiner iTunes-Bibliothek beschallte (und streckenweise auch Musikvideos auf der Leinwand ablaufen ließ). Merkürdig war dabei nicht sein Musikgeschmack (Rammstein, Knorkator, Sündenfall Remix, „Schwarz macht Schlank“) sondern der Umstand, dass es so aussah, als ob Benecke mit dem Konzept einer „Playlist“ noch nicht so vertraut sei.

Kurz vor 20:00 gab es dann noch das Video ‚Wir werden alle sterben‚. Es versprach also wirklich interessant zu werden. Danach ging es los mit dem ersten Block, der anhand von Bildern mit Lokalbezug (wohl aus der letzten Karnevalssaison) etwas ganz entscheidendes verdeutlichen sollte. Logisches Denken sei zur Klärung eines Falles genauso hinderlich wie die stupide Verwendung einer Maschine, deren Ergebnis man dann als Wahrheit hinnimmt. Wichtig ist es, so Benecke, denn Kontext zu ermitteln und zu wissen, dass auch der Blickwinkel des Betrachters entscheiden sein kann. Es kann auch durchaus sein, das eine bestimmte Handlung erfolgt, ohne das sich der Handelnde des ursprünglichen Kontexts bewusst ist.

Bis zur Pause wurde man auf diese Weise dazu angeregt, über Dinge nachzudenken, die dann nicht mehr so selbstverständlich erscheinen. Nebenbei war noch zu erfahren, dass Mark Benecke bekennender Donaldist und Mitglied (sogar Landesvorsitzender NRW) „Der Partei“ ist. Von dieser hatte er auch ein Plakat aufgehängt, auf dem er zusammen mit seiner Frau (die einer anderen großen Partei angehören soll) zu sehen ist. Der Spruch dazu „Bessere Tattoos Echtere Doktortitel„. Nettes Detail am Rande: auch hier muss man den Kontext kennen, um den Spruch zu verstehen. Das mit dem Doktortitel, klar, dass bezieht sich auf Karl-Theodor zu Guttenberg – aber was hat es mit den Tattoos auf sich? Möglicherweise eine Anspielung auf Bettina Wulff, die sich ein solche hat stechen lassen. Stephanie zu Guttenberg hat keins, was man aber leicht glaubt, wenn man nicht die exakten Fakten im Kopf hat und nur, weiss, dass es da eine Politikerfrau mit Tattoo gab.

Nach der Pause ging es weiter mit der Beantwortung von Fragen, die Benecke aus dem Publikum angetragen wurden. So wurde geklärt, dass Pathologie nicht gleich Rechtsmedizin ist, dass Benecke weder Fernseher noch Führerschein hat und das man Gerichtsmediziner nicht reich wird. Dann durfte das Publikum über eines von drei möglichen Themen abstimmen: Body Farm, Blutspuren oder Maden. Durch ein Patt zwischen Blutspuren und Maden ließ Benecke eine Münze entscheiden. Hinter Nadine und mir gemault wurde, dass es doch für die Maden mehr Stimmen gegeben hätte. Natürlich erst nach dem Münzwurf und als feststand, dass es weiteren verlauf des Abends um Blutspuren gehen würde (was ich, zugegeben, von den drei Themen am interessantesten fand). Wieder waren die Ausführungen interessant. In Erinnerung geblieben ist mir, dass es nicht nur unterschiedliche Blutspuren gibt, die eine Menge über den Tatverlauf erzählen können, sondern auch, dass manche Spuren auch in die Irre führen können.

Was auf den ersten Blick aussieht wie Blutspritzer kann, selbst wenn es sich dabei um menschliches Blut (vom Opfer) handelt, einen ganz anderen Hintergrund haben. Waren Fliegen am Tatort, können diese das Blut des Opfers in kleinen Mengen getrunken habe. Später haben sie das wieder ausgeschieden und ausgewürgt, um damit Nahrung für sich aufzuschließen. Zum Ende hing gab es dann noch mal eine wichtige Regel mit auf den Weg: Ausschlussverfahren statt Einschlussverfahren
Erst für alle Möglichkeiten offen sein und die ausschließen, die wissenschaftlich bewiesen nicht mehr haltbar sind.

Für mich als (angehenden) Krimi-Autor war der Abend genauso lehrreich wie für Nadine als Biologin und Lehrerin – und Spaß hat die Veranstaltung auch noch gemacht.

Fotos von der Veranstaltung gibt es leider nicht (auch wenn man in der Pause welche hätte machen dürfen), denn Nadine und ich hatten uns an den Hinweis auf der Eintrittskarte ‚Foto- und Filmaufnahmen sind während der Veranstaltung nicht erlaubt‘ als vermutlich einzige so vorbildlich gehalten, dass wir jegliche Aufnahmegeräte gleich zu Hause gelassen hatten.

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