Politischer Schluckauf

Politischer Schluckauf

Laut Wikipedia hat der Schluckauf beim Menschen „den Zweck, die Lungenflügel vor dem Eindringen von Flüssigkeiten zu schützen, indem sich die Atemmuskulatur blitzartig zusammenzieht“.

Bei einem politischen Schluckauf zieht sich jemand blitzartig aus seinem Amt zurück, um ein wie auch immer geartetes Amt vor Schaden zu bewahren. So wie wie Schni schna Schnappauf, der bisherige BDI-Geschäftsführer. Im Zusammenhang mit dem, was Bundeswirtschaftsminister gesagt (oder nicht gesagt hat) und der Tatsache, dass dies an die Öffentlichkeit gelangte, ließ er verlauten:

Ich übernehme die politische Verantwortung für die Folgen einer Indiskretion, an der ich persönlich nicht beteiligt war, um möglichen Schaden für das Verhältnis von Wirtschaft und Politik abzuwenden.

Ein sehr eigenartiger Vorgang. Früher gab es in der Schule Lehrer, die haben statt dem Übeltäter unter den Schülern denjenigen bestraft, der ihn verpetzt hat. Der Rücktritt von Schnappauf wäre, um in diesem Bild zu bleiben, ungefähr so, als wenn der Lehrer statt dessen den Freund der Petze bestraft hätte.
Respekt, wie jetzt Herrn Schnappauf für seinen Rücktritt bekundet wird, verdient er dafür nicht. Ein Rücktritt ist keine Leistung. Statt seiner hätte Rainer Brüderle zurücktreten sollen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden – nach den Wahlen, wenn die FDP zweimal auf der Oppositionsbank gelandet ist.

Unabhängig davon ist es mittlerweile nicht mal wichtig, ob es ein „Protokollfehler“ war oder nicht. Schlimm genug, dass die meisten Wählerinnen und Wähler Brüderle ein solche Aussage durchaus zutrauen.

3 Replies to “Politischer Schluckauf”

  1. Nach allem, was ich dazu gelesen habe, hat er es gesagt, aber wohl nicht damit gerechnet, das es aus diesem Kreis nach draussen dringt. Das er es genau so gemeint hat – daran glaube ich ganz fest!

  2. Da machen die beiden Politiker mal alles richtig: Der eine sagt die Wahrheit, der andere sorgt für Tranzparenz. Im Ergebnis muss einer zurücktreten, von dem anderen wird das gefordert. Nur damit die Lügner und Vertuscher unangetastet bleiben.

  3. Es ist ein wahres Kabinettstückchen, wenn man es von außen betrachtet. Die Aktionen und Äußerungen unserer Politiker machen es den Satirikern und Kabarettisten sehr einfach: Man muss Politiker nur noch zitieren (möglichst richtig) und schon reden sie sich selbst um Kopf und Kragen!

    Wer dann einen Dummen findet, der für ihn/sie die Verantwortung übernimmt und die ungeliebten Konsequenzen trägt, dann hat ein(e) Politiker(in) die höchsten Weihen erreicht.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren