Mörderischer Fastelovend

Da meine eigene Schreibgedanken derzeit hauptsächlich um das Thema Krimi kreisen, bot es sich für mich an, gestern Abend der Lesung von Bernhard Hatterscheidt und Ludwig Kroner aus ihrem Buch „Mörderischer Fastelovend“ in der Mayerschen Buchhandlung (Köln, Schildergasse) beizuwohnen.

Vielversprechend war, das sowohl Bernhard Hatterscheidt als auch Ludwig Kroner über reichlich berufliche Erfahrung als Kriminalkommissar verfügen. Wer, wenn nicht die, kann einen authentischen Krimi schreiben? Vielfach, so ist nicht selten zu hören, tummeln sich in Krimis nur so die Fehler. Da wird zum Teil völlig am Polizeialltag vorbeigeschrieben.

Mörderischer Fastelovend

Hatterscheidt wie Kroner sind zwei sehr angenehmen Menschen, die spannend aus dem Polizeialltag erzählen können, sich auf der Lesebühne gut ergänzen. Der Abend schien spannend zu werden. In meiner Tasche jammerte schon das Portemonnaie, denn es hatte die nicht unberechtigte Angst, etwas von seinem Inhalt herausgeben zu müssen. Am Ende des Abends war dann aber wieder still. Das lagt nicht daran, das die Fakten im vorgelesen Text nicht gestimmt hätten – das kann ich auch dem lesen einiger Krimis nicht beurteilen. Es lag vielmehr am Text selber. Gute Sachkenntnisse machen leider noch keine gute Literatur. Mir hat der Stil, um es auf den Punkt zu bringen, nicht gefallen.

Was mancher als zusätzliches Detail zu schätzen weiß, hat mich zudem sehr gestört. Meiner Meinung nach gehören keine lebenden Personen (Kollegen und Kolleginnen) in den Roman. Besonders dann nicht, wenn sie gut zu erkennen sind. Echte Fälle sind sicherlich ganz nett, aber das ist es nicht, was ein gutes Buch ausmacht.

Auch wenn wenig wirklich überzeugendes in James N. Freys „Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt“ zu finden ist, so ist doch eine Aussage sehr treffend:

Schreib über das, was was du kennst, ist ein guter Rat, doch man kann sich immer wieder Dinge aneignen, die man bisher nicht wusste.

Frey selber vertritt die These, dass man sich innerhalb von sechzig Tagen in nahezu jedes Thema einarbeiten kann. Genau das ist der Punkt. Ich muss nicht Kriminalkommissar gewesen sein, um einen Krimi zu schreiben. Ebenso muss niemand im Mittelalter gelebt haben, um einen Historischen Roman schreiben zu können (lässt sich beliebig fortführen). Eine gute Geschichte muss nicht vor Fakten strotzen. Ich denke, bei den meisten Gebieten ist es auch nicht wirklich wichtig, alle Details zu kennen, so lange man glaubhaft erzählt, so lange man es schafft, den fiktionalen Traum aufrecht zu erhalten, Spannung zu erzeugen und den Leser nicht zu enttäuschen.

Ein guter Krimi ist vor allem und in erster Linie eine gute Geschichte (das ‚Verdammt‘ spare ich mir an dieser Stelle).

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