Schreib mir was

Schreib mir was

Wenn ich morgens aus dem Haus gehe Richtung S-Bahn Haltestelle gehe, kommen mir bündelweise Schüler entgegen, was, so habe ich mir sagen lassen, sowohl an der Uhrzeit als auch an der Tatsache liegt, dass es in der Nähe nicht nur eine Schule gibt.

Auffällig viele der Jugendlichen schauen dabei das Display ihres Mobiltelefons und tippen Nachrichten hinein. Eigentlich nichts, was ich morgens nicht auch mache, wobei ich wenn es geht darauf verzichte, im Gehen zu tippen und mich eher auf den Straßenverkehr konzentriere. Ich möchte an dieser Stelle auf gar keinen Fall über die angeblich gute alte Zeit, die längst vergangen ist, trauern oder mich über die Jugend von heute auslassen. Es ist mir lediglich eine Sache durch den Kopf gegangen, die mich seit dem beschäftigt. Wie sieht es wohl, so habe ich mich heute morgen gefragt, mit dem schreiben von Briefen aus? Machen das Jugendliche heutzutage noch?

Schwer vorstellbar, wenn man selber keine Briefe (außer an Behörden, Versicherungen etc.) schreibt. Ein Brief von Hand habe ich zum letzten Mal wohl vor 20 Jahren geschrieben. Erstaunlich, dass mir das erst beim nachdenken darüber auffällt, dass ich es vermisse, keine handgeschriebene Briefe mehr zu bekommen. Diese Gefühl, wenn man einen solchen persönlichen Brief bekommt, ist schwer zu beschreiben. Bei ganz bestimmten Dingen kann ich es mir auch nur schwer vorstellen, so was als E-Mail oder SMS zu bekommen.

Durch die modernen Möglichkeiten haben wir unbestritten eine Menge gewonnen. Wir haben aber auch etwas verloren, unweigerlich so scheint mir. Schüler, so wie sie mir morgens immer begegnen, werden diese Gefühl eines Verlustes nicht verspüren, weil sie wohl kaum jemals so etwas wie einen Liebesbrief bekommen haben. Fast könnte man sogar sagen, dass sie es somit besser haben. Wer etwas nicht kennt, wird es auch nicht vermissen.

Auch in andere Hinsicht haben es die Schüler besser, auch wenn sie es vermutlich so nicht sehen. Hand aufs Herz, wer von uns schreibt noch mit Füller? Wer schreibt, außer Einkaufszettel und seine Unterschrift noch irgendwas von Hand? Wenn man nicht darauf gestoßen wird, fällt einem so was nicht auf. Ich hab mir vorgenommen, wieder mit Füller in ein eigens dafür angeschafftes Notizbuch zu schreiben. Da soll kein Ersatz für das sein, was ich am Computer schreibe, sondern eine Ergänzung. Eine sinnvolle, wenn ich mir ansehe, wie meine Handschrift gelitten hat (die zugegeben nie wirklich toll war). Bemüht lesbar trage ich in das Buch Idee zu künftigen Krimis ein (nebenbei bemerkt scheint es bei mir darauf hinauszulaufen, Krimis zu schreiben, ohne das ich es jemals beabsichtig hätte).

4 Replies to “Schreib mir was”

  1. Aus recht sicherer Quelle weiß ich, dass dein letzter handgeschriebener Brief noch nicht ganz 20 Jahre zurückliegen kann, da ich sonst ja NOCH älter wäre als sowieso schon…
    Im Übrigen sprichst du mir aber aus der Seele.
    Wobei ich zu meiner Schande gestehen muss, selbst auch nicht mehr zum Briefe schreiben zu kommen.
    Zu meiner Hochzeit vor 2 1/2 Jahren habe ich aber einen über 20 Seiten langen (handgeschriebenen!) „Erinnerungsbrief“ einer alten Freundin bekommen – war das schönste Geschenk!

    1. Nicht ganz 20 Jahre? Mhm ja, da müsste ich mal eine Karton aus dem Schrank holen und nachsehen, denn ich meine die sichere Quelle zu kennen. Und ganz so bist du noch nicht, wenn ich richtig liege – schließlich hast du noch etwas Schonfrist, bevor du die Grenze überschreitest, die ich Anfang des Monats überschritten habe.

      Zum Schreiben von Briefen fehlt nicht nur die Zeit, sondern auch eine Person, der man Briefe schreiben kann – und die sich nicht gleich wundert, dass man nicht eine E-Mail geschrieben hat (wobei ich mich auch darüber freuen würde ;-)

      Es ist überings sehr schön, auf diese Weise zu sehen, wer doch noch alles hier (ab und zu) vorbeikommt und meine Texte liesst.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren