Wehrpflicht gefallen

Da im Frühjahr 2011 die Wehpflicht fällt, kann man schon mal einen Nachruf verfassen. Künftig wird es nur noch Freiwillige geben.

Das die Bundesregierung nicht ganz davon überzeugt ist, dass sich so viele Freiwillige für sie erschießen lassen wollen, merkt man am erhöhten Einsatz von Werbung. Nicht nur führt man den Verteidigungsminister ins Feld, nein, auch im Funk und Fernsehen wird die Jugend penetriert. Die Bundeswehr als großes Karieresprungbrett. Natürlich muss jeder selber wissen, ob er den Versprechungen glaubt und ob es ihm attraktiv erscheint, im Ernstfall sein Leben für das Land zu geben. Über die Gefährlichkeit anderer Berufe und den Ernstfall als Bestandteil des Alltages könnte man noch trefflich diskutieren – faire wäre das allerdings nicht.

Als jemand, der selber Zivildienst geleistet hat und diese Entscheidung auch nach wie vor für sich persönlich als richtig bezeichnet, kann ich dennoch nicht anders, als den Soldatinnen und Soldaten Respekt zu zollen. Insbesondere diejenigen, die derzeit in Afghanistan ihren Dienst versehen, gehört meine Aufrichtige Anerkennung. Nur derjenige, der in den letzten Jahr mit ideologischen Scheuklappen herumgelaufen ist, wird nicht sehen, wie sich die Bundeswehr und ihre Aufgaben verändert haben. Gerade der umstrittene Einsatz in Afghanistan zeigt doch, wie wichtige diese Form der Friedenssicherung ist. Die Abschaffung der Wehrpflicht ist nur konsequent. Nur eine Berufsarmee kann die künftigen Aufgaben meistern. Dazu bedarf es motivierter Freiwilliger. So platt sich das vielleicht anhören mag, es ändert nichts daran, das es richtig ist. Wie bereits gesagt, ich stehe zu dieser Meinung als überzeugter ehemaliger Zivildienstleistender.

Das wirkliche Problem bei der Reform der Bundeswehr und der Wehrpflicht spielt sich ganz wo anders ab – beim Zivildienst, den es so nicht mehr geben wird. Welche Löcher die Zivis hinterlassen werden, wird man im nächsten Jahr in brutaler Deutlichkeit erkennen. Die jahrzehntelang Ausbeutung in sämtlichen sozialen Bereichen konnte nur so lange aufrecht erhalten werden, weil es immer genügend junge Männer gab, die den Dienst mit der Waffe verweigerten. Ernsthaft kann niemand glauben, dass ein freiwilliges soziales Jahr den Wegbruch des Zivildienstes kompensieren kann.

Am Ende ist es nicht die Wehrpflicht, die fällt, sonder Oma Müller vom neben an, der die stützende Hand eines jungen Menschen plötzlich fehlt. Zu einem Zeitpunkt, in dem es künftig immer mehr pflegebedürftige Menschen geben wird, ist es mehr als Fahrlässig, ohne brauchbare Alternative den Zivildienst abzuschaffen. Sicher, es mag rechtlich fast unmöglich sein, aber geschickt wäre es wohl gewesen, nicht die Wehrpflicht abzuschaffen, sondern das Konzept auf den Kopf zu stellen. Statt einer Wehrpflicht gibt es eine Zivildienstpflicht für alle. Ihr könnte man nur entgehen, wenn man sich freiwillig zur Bundeswehr meldet. Auf diese Weise wäre in Bezug auf die Bundeswehr das selbe Ziel erreicht worden, ohne den Zivildienst abschaffen zu müssen. Auf einem ganz anderen Blatt stehen dessen ungeachtet die Arbeitsbedingungen in den sozialen Bereich. Würden man dort bessere Löhne zahlen, gäbe es auch keinen Pflegenotstand.

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