Zuschlagsfrei bis Düsseldorf

Wenn bei der Bahn Züge des Fernverkehrs freigegeben wurden für den Regionalverkehr, heißt es, sie können zuschlagsfrei, also ohne Aufpreis, benutzt werden.

Im Ergebnis führt das zu hoffnungslos überfüllten Zügen. Als regulär zahlender Reisender bleibt einem dann oft nur ein Stehplatz. Interessant wird es, wenn Mitreisende länger im Zug bleiben, als es die Freigabe zulässt. Je nach Zugbegleiter kommt derjenige glimpflich davon oder muss einen Zuschlag zahlen, das so genannte Nachlösen.

Wir lernen daraus: wer erwischt wird, bekommt den Zuschlag. An dieser Stelle sei die Frage in den Raum geworfen, wobei Düsseldorf erwischt wurde. Beim Schwarzgeld fahren? Öffentliches Nacktbaden im Rhein? Oder gar beim Kölsch trinken?

Man weiß es nicht. Trotzdem hat Düsseldorf den Zuschlag bekommen – als Austragungsort für den Eurovision Song Contest 2011. Auch wenn man als Kölner, genauso wie als Hamburger, Hannoveraner oder Berliner die Veranstaltung über die GEZ-Gebühren finanziert, muss man nicht traurig sein.

Von den vielen Gründen, die am Ende angeblich für Düsseldorf gesprochen haben, ist der wohl wichtigste leider verschwiegen worden: die Stadt hat es echt nötigt. Gesangstechnisch muss man ihr wirklich mal unter die Arme greifen, dass muss man auch gerade als Berliner verstehen. Westernhagen weiss schon, warum er lieber in der Nähe der Hackeschen Höfe wohnt, als sich das Elend am Rhein länger ansehen zu müssen.

Die Stadt rühmt sich für ihre längste Theke der Welt. Was musikalisch an solcher Theke verbrochen wird, möchte keiner freiwillig hören. Betrachten wir also den ESC 2011 als eine Art Rettungspaket für den musikalischen Standort Düsseldorf.

Das Köln am Ende nicht im Bewerberfeld vorhanden war, erklärt sich wie von selbst. Musikalisch spielt man, ähnlich wie der 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf, in einer anderen Liga. Eine Veranstaltung wie den Song Contest hat Köln nicht nötig. Und wenn man ehrlich ist, Berlin, Hamburg und sogar Hannover auch nicht.

Bis zum nächsten Sommer können sich die Düsseldorfer darüber freuen, dass sie auch mal im Fernverkehr mitfahren dürfen. Lassen wir ihnen diese Freude, zumindest solange sie rechtzeitig wieder aussteigen.

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