Sozialer Schluckauf

Ursprünglich hatte ich vor, an dieser Stelle über Stuttgart 21 und den gestrigen Tag zu schreiben. Noch mal zu betrachten, was das staatliche Gewaltmonopol genau bedeutet. Allerdings hat es mir heute Morgen etwas die Sprach verschlagen. Nicht wegen Stuttgart, sondern wegen der eigenen Wohnung und dem Verhalten des Vermieters.

DER CHEF und ich hatten ihn bisher noch nicht kennen gelernt. Angeboten wurde die Wohnung über einen Makler, betreut wird das Haus über einen Wohnungsverwaltungsgesellschaft. Der Makler selber war ziemlich nett und sympathisch, so dass wir, da es sich um den Bruder des Eigentümers handelte, nichts schlimmes befürchteten. Schließlich lief im Großen und Ganzen zunächst alles fair ab und Maklercourtage mussten wir auch nicht zahlen.

Die erste Überraschung kam dann, als uns nach Unterschrift des Mietvertrages klar wurde, dass in den Nebenkosten nicht wie angepriesen bei ImmobilienScout24.de die Heizkosten mit enthalten sind. Gut, kann mal passieren. Wir wurden auch dadurch beruhigt, dass uns die Hausverwaltung sagte, die Nebenkosten wären vermutlich zu hoch und wir würden Ende des Jahres eine Rückzahlung bekommen.

Bereits am 9. August 2010, der Tag unseres Einzuges in der Wohnung wurden von uns drei Fenster reklamiert, da diese nicht richtig schließen bzw. undicht sind. Nach dem zunächst erstmal nichts passierte, kam am 10. September, also einen Monat später, ein Mitarbeiter einer Fensterfirma vorbei, um sich die Sache anzusehen.

Dabei hat sich herausgestellt, dass die Fenster anscheinend über 35 Jahre alt sind. Zudem war das Badezimmerfenster lediglich einfachverglast. Der Mitarbeiter bezweifelte zudem, ob er für die Fenster überhaupt noch Dichtungsgummis bekommen würde. Selbst wenn das der Fall wäre, so sagte er, sei es nicht möglich die Fenster in einen Zustand zu versetzen, in dem sie einwandfrei schließen und entsprechend isolieren. Auch gibt es keine Garantie, dass sich die passende Dichtungsgummis überhaupt noch einsetzen lassen, da eine fachgerechte Entfernung der alten Dichtung nicht sehr wahrscheinlich sei.

Zunächst rief ich bei der Hausverwaltung an. Dort war keiner der beiden Ansprechpartner zu erreichen. Es erfolgte auch kein zugesagter Rückruf. Entsprechend schrieb ich daher noch am gleichen Tag einen Brief an die Hausverwaltung und setzte eine Frist bis zum 11. Oktober, um die Mängel bis dahin zu beseitigen.

Eine Antwort erhielt ich nicht. Um das nicht eskalieren zu lassen, rief ich vergangen Dienstag bei der Hausverwaltung an, fragte den zuständigen Mitarbeiter, wie es ihm ginge und erkundigte mich nach dem Stand der Dinge. Als Auskunft bekam ich, dass er derzeit auf der Suche nach einem Fensterbauer sei. Ich teilte ihm noch mit, dass ich freitags immer zu Hause sein, was er für mögliche Termine berücksichtigen könnte.

Am Montag dann bekam Nadine einen Anruf von der Hausverwaltung für einen Termin heute. Angekündigt waren der Eigentümer und jemand von einer Fensterfirma. Pünktlich um 11 Uhr schellte es an der Tür, nach 10 Minuten war alles vorbei. Vor allem vorbei war meine gute Laune und Köln-ist-ne-tolle-Stadt-Gefühl. So ein Mensch wie der Vermieter ist mir bisher noch nie begegnet. An einer einvernehmlichen Lösung war er meiner Wahrnehmung nach nicht interessiert. Zum Thema einfach verglastes Badezimmerfenster hieß es nur:

Sie haben das so angemietet.

Vor das Schlafzimmerfenster hielt er ein Feuerzeug und sagte, dass da nichts ziehen würde, also wird da auch nichts gemacht. Schwieriger wurde es dann beim Wohnzimmerfenster. Dafür wird es dann irgendwelche Klebedichtungen geben, die helfen sollen. Ich bin da ja skeptisch, zumal der erste Fensterbauer am 10. September fachlich sehr kompetent erschien. Vom Verhalten des Vermieters schon etwas angefressen merkte ich noch an, dass wir unter diesen Umständen nicht lange hier wohnen bleiben würden. Darauf bekam ich dann zu hören:

Sie können gerne kündigen, wenn Sie heute noch die Kündigung schreiben, sind Sie in drei Monaten raus, hab ich kein Problem mit.

Er brachte auch zum Ausdruck, dass es ihn freuen würde, uns wieder los zu werden. Vermutlich hat er lieber Mieter, die einfach stillschweigen alles hin nehmen und artig Miete zahlen. Jetzt könnte man natürlich meinen, ich hätten ihn an einem schlechten Tag kennen gelernt und die Situation wäre irgendwie auch unglücklich gewesen. Nun, dagegen spricht aber das, was er vor ein paar Tagen, wie ich jetzt weiss, zu anderen Mietern gesagt hat:

Ob Sie sich in der Wohnung wohl fühlen, ist für uns egal.

Manchmal werden einem im Leben Entscheidungen leichter gemacht. Nadine und ich hatten schon Ende August überlegt, ob wir wirklich zufrieden sind mit der Wohnung und ihrer Lage. Wir waren noch unentschlossen, ob wir Richtung kommenden Sommerferien tatsächlich wieder umziehen sollten. Jetzt wissen wir es ziemlich genau.

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