Grausamer Spiegel

Wer am Spiegel vorbeigeht und vermeintlich etwas grausames sieht, erkennt meist nur, dass er wieder mal zu viel gegessen hat, dass die haut bereits Falten wirft, der Sonnenbrand schlimmer ist als gedacht oder bei Frauen auch mal, dass sich leichte Dellen in der Haut zeigen.

Im Grunde alles Nichtigkeiten. Es dreht sich um Eitelkeiten, nicht um Selbsterkenntnis. Als Menschen meinen wir zu wissen wer wir sind und wo unser Platz in der Rangordnung der Natur ist. Ganz oben. „Macht euch die Erde unteran”, und genau das haben wir bis ins kleinste grausame Detail getan.

Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, am Rande des Wissens-Teils heute, zeigt eine andere Form der Erkenntnis. Eine, bei dem es einem die Sprach verschlägt. Für einen kurzen Moment bleibt die Zeit stehen.

Er geht am Spiegel vorbei, betrachtet das Bild darin und tastet nach den Elektroden, die ihm für andere Versuche eingepflanzt wurden. Die Daten zeigten, dass sich der Rhesus-Affe offenbar selbst im Spiegel erkannt hat.

Was sich wie ein nüchterner Bericht liesst, ist im höchsten Maße grausam. Auch deshalb, weil wir wie selbstverständlich Affen als Verfügungsmasse betrachten, mit denen selbst noch die fraglichsten „zum Wohle der Menscheit” durchgeführt werden.

Es fällt schwer, den Befürwortern von Tierversuchen noch zu glauben. Ihr Argumente hatten schon immer einen schalen Beigeschmack. Der Artikel in der SZ nacht deutlich, dass „Tiere” nicht nur Schmerz spüren, sondern auch über ein Bewusstsein verfügen. Eines, dass zum Teil eben auch in der Lage ist, sich selbst zu erkennen. Seht her, ich bin. Ich denke, fühle, leide. Leide für euch.

Der Blick in den Spiegel wird den Affen allerdings nicht offenbaren, warum er leiden muss.

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