Arbeiterkinder sind dümmer

Arbeiterkinder sind dümmer

In Deutschland müssen Arbeiterkinder einfach dümmer sein als die Kinder von Akademikern. Das die Kinder von Akademikern eine fünfmal höhere Chance haben, eine Gymnasium zu besuchen, ließe sich so plausibel erklären.

Die andere, viel unbequemere Option wäre, dass wir es in diesem Land in den vergangenen 60 Jahren nicht geschafft haben, Chancengleicht herzustellen. Das es immer noch so ist, dass Herkunft, soziales Milieu, entscheidend sind für den Bildungsweg, den ein Kind einschlagen wird.

Wenn Arbeiter und ihre Kinder von Natur aus einfach dümmer sind, dann wäre es sehr einfach, sich mit dieser Tatsache abzufinden. Niemand müsste sich entschuldigen, keine Rechtfertigungen wären nötig. Wer noch weitergeht, könnte sogar behaupten, dass das Schicksal genetisch vorbestimmt ist.

Als aufgeklärte Menschen, die wir gerne sein wollen, glauben wir solchen Unfug selbstverständlich nicht. Daher bleibt und nur das bittere Fazit, dass Gesellschaft und Politik versagt haben. Versagt haben gerade beim wichtigsten Zukunftsthema, der Ausbildung und dem Lebensweg unserer Kinder.

Nicht nur im Namen der sozialen Gerechtigkeit, nicht nur zur Sicherung der Überlebensfähigkeit dieses Landes, nein vor allem um ihrer selbst sollten wir uns allen Kindern in diesem Land zuwenden. Jedes einzelne sollte so gefördert werden, dass es die gleichen Chancen hat. Wer fragt, was das den kosten wird, der sollte sich zutiefst schämen. Wollen wir soziale Gerechtigkeit wirklich in Geld messen? Das wäre weder menschlich noch christlich.

7 Replies to “Arbeiterkinder sind dümmer”

  1. Chancengleichheit besteht am „der Startlinie“. Arbeiterkinder haben genausoviel Grips wie alle anderen. Die Gründe, warum Arbeiterkinder im Schnitt „irgendwo auf dem Weg stehen bleiben“ (um im Bild zu bleiben), sind vielfältig. Und hier kommt ein ganz großer, IMHO zumindest:

    Ich hatte eine ganz persönliche Erfahrung in der Familie. Der Leiter eines Supermarktes sagte „Ich war auf der Hauptschule und bin Supermarktleiter. Meine Kinder brauchen keine Ausbildung bei diesem arroganten, hochnäsigen Pack. Die gehen AUCH auf die Hauptschule. Basta!“

    Krasser Fall? Naja, wenn man sich jetzt das Akademiker-Pendant vorstellt, das seine Kinder geradezu ERMUTIGT und motiviert auf’s Gymnasium zu kommen, hast du eventuell eine ganz einfache und politikferne Erklärung für diese Entwicklung: Ich mache das, was mein Dad auch macht. Und sein Dad davor. Oder zumindest sowas Ähnliches. Weil, Dad soll stolz sein. Chancengleichheit oder Intelligenz sind hier völlig irrelevant. Insofern liegt vielleicht sogar eine Scheinkorrelation vor?!

    Im Übrigen ist mir aufgefallen, dass du zwischen Akademiker- und Arbeiterkindern unterscheidest. Daran ist sicher die Quelle schuld, aber nicht jeder in Brot und Lohn stehende „Nicht-Akademiker“ ist heutzutage automatisch Arbeiter …

    1. Akademiker- und Arbeiterkindern ist eigentlich bei mir eher die typische, polemische Wortwahl – unabhängig von den Quellen. Sauber formuliert könnte man je nach dem auch von bildungsfernen Schichten (gefällt mir überhaupt nicht) oder unteren Einkommensgruppen (pass auch nicht, da es auch mehr und mehr arbeitslose Akademiker gibt) reden. Ich glaube, ich bleibe lieber bei der anfänglichen Wortwahl.

  2. Ich stimme zu, dass Chancengleichheit nicht besteht. Andererseits gab und gibt es sehr viel mehr Leute, die heute studieren. Die Zunahme derjenigen, die heute ein Studium beginnen kann widerlegt die These, dass die Politik versagt hätte. Irgendwas muss ja funktioniert haben, sonst wären die Zahlen anders. Die Chancengleichheit ist nach den Presseberichten ja insbesondere in den südlichen Ländern schlecht, also in denen, deren Ergebnisse im Vergleichstest besonders positiv waren. Interessanter Zusammenhang. Dazu zwei Links:
    1.) destatis.de
    2.) mit der Relativierung der Daten: blogaboutjob.de

    1. Gerade der zweite Link ist recht interessant, da er die Daten des Statistischen Bundesamtes wieder etwas erdet. Zumal: Die Zahlen müsste man auch vergleich mit der Quote der Studienabbrecher und BaFöG-Bezieher. Hinzu kommt, dass in erster Linie nur Abiturienten studieren. Was man vergleichen müsste, wäre daher die Anzahl der Schüler und Schulabschlüsse in den letzten 10 bis 20 Jahren.

  3. die Diskussion ist gerechtfertigt und wird auch in Österreich kontroversiell diskutiert. Als Österreicher muß man dazu sagen, dass deutsche Studenten sehr erfolgreich die heimischen Uni’s besetzen, siehe auch http://vorarlblog.at/extern/2009/10/druckfrische-statistik-online-deutsche-studenten-%C3%B6sterreich

    es ist anzunehmen, dass weniger Arbeiterkinder, als Akademikerkinder in Österreich studieren (Kosten), wodurch sich die Chancen für Arbeiterkinder in D eigentlich erhöhen müssten…

  4. Deuschland ist Spitze
    Dazu Wikipedia:
    Um sozialen Hintergrund eindimensional zu quantifizieren, wird unter anderem ein „International Socio-Economic Index of Occupational Status“ (ISEI) verwendet, genauer gesagt der Wert des höher bewerteten Elternteil (highest ISEI = HISEI).[2] Der Zusammenhang zwischen der Testleistung und diesem Index ist in Deutschland überdurchschnittlich stark. Im Jahr 2000 wurde im Schwerpunktgebiet Lesen für Deutschland unter allen 32 Teilnehmerstaaten der stärkste HISEI-Gradient ermittelt.
    Tja, dann kann es ja nur besser werden, schlechter jedenfalls kaum noch.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren