Stellenangebot aus der Hauptstadt

Für eine zunächst erstmal auf fünf Jahre befristete Stelle wird in Berlin zum nächsten Ersten ein Bewerber gesucht. Der Bewerber muss älter als vierzig Jahre sein und sollte über politische Erfahrung verfügen und hohe Reisebereitschaft mit sich bringen. Als wesentliche Eigenschaft sollte er zudem kritikfähig sein. Bei gleicher Eignung werden Frauen und Behinderte bevorzugt.

Nachdem der bisherige Stelleninhaber überraschend gekündigt hat, wird jetzt hektisch nach Ersatz gesucht. Wobei das Amt des Bundespräsidenten nicht mit einem normalen Arbeitsplatz zu vergleichen ist. Anderfalls wäre es auch so, dass Horst Köhler für die ersten drei Monate keine Bezüge bekommen würde, da er schließlich von sich aus gekündigt hat. Seien wir aber froh darum, dass Köhler ohne Speerfrist seine Salär von 280.000 Euro im Jahr bekommt. Als normaler Arbeitnehmer hätte er sonst auch behaupten können, er wäre an seinem Arbeitsplatz gemobbt worden und eine entsprechende Klage einreichen.

Blicken wir aber nach vorn. Bisher sind trotz der kurzen Frist schon einige Bewerbungen eingegangen. An vorderster Stelle wird die derzeitige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen genannt.

Vorurteilsfrei betrachtet könnte die Bewerberin durchaus für die Stelle geeignet sein. Allerdings sollte Frau von der Leyen sich wirklich fragen, ob sie sich das tatsächlich antun will. Das Bundespräsidialamt hat auch etwas von Endlager für politisch Verbrauchte. Wer das Amt innehabt, hat damit den höchsten Posten in Deutschland erreicht. Danach wartet nur noch der politische Ruhestand auf einen.

Das sich ein ehemaliger Amtsinhaber zurück in die Niederungen des politischen Tagesgeschäft begibt, hat es bisher nicht gegeben. Für Frau von der Leyen wäre das Amt somit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch der Schlussstrich unter ihrer Kariere. Sie sollte sich selber fragen, ob sie das wirklich will und dafür auch bereit ist.

Kommentar verfassen