Unterricht zu Hause

Über das deutsche Bildungssystem lässt sich trefflich streiten. Eingliedrige Schule, Ganztagsunterricht, gemeinsames lernen in den ersten sechs Schuljahren, kleinere Klassen – um nur ein paar Stichpunkte zu nennen. Bei allen Differenzen in den unterschiedlichen Politischen Lagern dürfte es neben der Einsicht, dass es einer Reform des Bildungssystems bedarf, einen Grundkonsens geben: die Aufrechterhaltung der allgemeinen Schulpflicht.

Das in Deutschland so genanntes „home schooling” nicht zulässig ist, hat gute Gründe. Die Schule ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch der Sozialisation. In der Schule bekommen Kinder Kontakt zu Gleichaltrigen, erfahren auch, dass es nicht nur unterschiedliche Menschen, sondern auch Ansichten gibt. Tolleranz und Akzeptanz sollte durch die Schule vermittelt werden.

In Bezug auf den Wissenserwerb sorgt eine Schulpflicht dafür, einen Mindeststandard an Bildung zu definieren, für dessen Vermittlung entsprechend qualifiziertes Personal zur Verfügung gestellt wird (bzw. gestellt werden sollte). Dabei zeigt die Didakt, wie Wissen vermittelt werden kann und die Methodik, auf welchem Weg es möglich ist.

Auch wenn vieles Verbesserungsdürftig ist, so muss festgehalten werden, dass die Lehrerausbildung in Deutschland einen hohen Stand hat. Eltern die meinen, sie könnten ihre Kinder selber zu Hause unterrichten, fehlt in aller Regel die notwendige Qualifikation. Sie sind keine Wissensexperten, sondern imitieren nur Unterricht – so wie sie in selbst erlebt haben.

Fassen wir zusammen. Die allgemeine deutsche Schulpflicht dient der Sozialisation und der Qualifikation von Menschen in einer Gesellschaft, die darauf angewiesen sind miteinander auszukommen.

Wer wie die Familie Romeike meint, trotzdem seine Kinder zu Hause unterrichten zu müssen, gefärdet den Grundkonsens und destabilisiert die Gesellschaft. Die Schulpflicht gilt in diesem Land über alle Religionsgrenzen hinweg. Wer staatliche Schulen ablehnt, für den hält das deutsche Schulsystem genügend Alternativen parrat, wie zum Beispiel die Bekenntnisschule.

Wer in die USA flüchtet und dort sogar einen Asylantrag stellt, weil ihm die deutsche Schulpflicht nicht passt, vergeht sich an seinen Kindern und zeigt, dass ihm der nötige Respekt vor unserer Gesellschaft fehlt. Das gilt insbesondere für religiöse Fanatiker, die ihren Kindern ein überkommendes, rückständiges Weltbild vermitteln wollen.

Die Schulpflicht in Deutschland dient daher auch dazu, Erungeschaften aus der Epoche der Aufklärung nicht wieder rückgängig zu machen.

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