Frau Schmitt kann kochen, Teil I

Frau Schmitt kann kochen. Den Beweis dafür trat sie täglich an. Wenn sie kochte, trieben die feinsten Gerüche durch das Treppenhaus des Mehrfamilienhauses, in dem sie wohnte. Alleine wohnte, muss man dazu sagen, denn das machte ihre Kochtätigkeit noch erstaunlicher.

Von dem, was sie beruflich machte, war nichts bekannt. Sie musste aber irgendwo arbeiten, denn von Montag bis Freitag kochte sie nur abends warm, während an den Wochenenden und freien Tagen Gerüche von mehrgängigen Menüs pünktlich zur üblichen Mittagszeit durch den Hausflur zogen. Die Gerüche waren so verlockend, dass selbst der Magen von Herrn Wustock anfing zu knurren. Und das obwohl er seiner Frau noch kurz vorher gesagt hatte, er wäre mal wieder pappsatt. Was aber wohl darauf zurück zu führen ist, dass Frau Wustock sich erheblich von Frau Schmitt unterschied. Frau Wustock konnte nämlich nicht kochen, obwohl sie selber davon fest überzeugt war.

Der knurrende Magen von Herrn Wustock führte meistens zu einer hitzigen Diskussion mit seiner Frau, die den sich entzündenden Streit mit einem lauten Tür knallen ins Finale führte. Zum Glück bekam Frau Schmitt davon nicht viel mit. Sie wundert sich nur, dass häufig, wenn sie Essen kochte, im Haus die Türen geknallt wurden.

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