Stierk(r)ampf

In Katalonien wurde gestern die ersten Weichen für ein Verbot von Stierkämpfen in der Region gestellt. Möglicherweise müssen Einheimische und Touristen künftig auf das blutige Spektakel verzichten.

Während das für Tierschützer ein Grund zum feiern ist, bin ich selber etwas ratlos. Natürlich würde ich spontan Stierkämpfe als barbarisch bezeichnen. Je länger ich aber darüber nachdenke, desto unsicher werde ich mit der Bewertung.

Ich habe mir noch keinen Stierkampf angesehen und werde das wohl auch nie machen. Über den Charakter der Veranstaltung mache ich mir keine Illusionen. Dennoch liegt für mich in dem, was laut Süddeutscher Zeitung der Stierzüchter Eduardo Miura sagt, eine fundamentale Erkenntnis über unsere Gesellschaft:

Man fürchtet den Tod und will nicht erkennen, dass er Teil des Lebens ist.

Wir haben es trefflich geschafft, den Tod aus unserer Mitte zu verdrängen. Wir erregen uns über das Töten von Stieren in Arenen, die zuvor ein mehr als gutes Leben hatten, während uns unser täglich Fleisch aus der Kühltheke egal ist. Im vergleich zu dem, Was den Rinden in Deutschland von der Aufzucht bis zu Schlachtbank angetan wird, hat es der Stier, der sein Leben blutig zur Gaudi der Zuschauer lässt, richtig gut. Eine bittere Wahrheit.

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