Bildungsmisere

Gestern protestierten bundesweit Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Studierenden gegen die von ihnen als Misere empfundene Situation in der Bildungspolitik.

Das es um die Bildung in diesem Land schlecht bestellt ist, kann man verdrängen oder leugnen – an den Fakten ändert das wenig. Nicht nur die Studiengebühren sind ein Irrweg, sondern die Gesamtheit der schulischen und universitären Ausbildung gehört ebenso wie die Ausbildung des Lehrpersonals auf den Prüfstand. Die eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge in ihrer derzeitigen Form bieten erheblichen Diskussionsbedarf.

Was an den Protesten erschreckt, ist die Anzahl derer, die sich daran beteiligen. In Bielefeld studieren etwa 20.000 Menschen. An den Demonstrationen und Aktionen haben sich 200 Studierende beteiligt. Nach Adam Riese sind das gerade mal ein Prozent. Das ist weit entfernt von einer Mehrheit.

Die Frage ist, was denn tatsächlich im Kopf der Mehrheit vorgeht. Sind ihnen die Studiengebühren egal? Haben die alle reiche Eltern? Ist es vielleicht so, dass die Studienbedingungen gar nicht mal so schlecht sind?

Je nach dem, von welcher Seite man es betrachtet, wird man zu einer ganz persönlichen Schlussfolgerung gelangen. Ich für meinen Teil kann rückblickend aus meiner Studienzeit und als damals aktiv hochschulpolitischer Mensch sagen, dass es Momente gab, wo mich die schweigende Mehrheit so richtig angekotzt hat. Allerdings hatte ich mich recht schnell wieder im Griff und habe dann nicht nur meine Wut runtergeschluckt, sondern auch weiter gemacht.

Den Studierenden so wie den Schülerinnen und Schülern, die gestern demonstriert, sich zur Wehr gesetzt haben, kann man Mut und Durchhaltevermögen wünschen – oder aber auf unterschiedliche Weise zur Seite stehen.

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