Mediengeile Geschmacklosigkeit

Mediengeile Geschmacklosigkeit

Nach dem Selbstmord eines Fußballspielers am Dienstag Abend wurde über Deutschland der Ausnahmezustand verhängt. Bereits am Mittwoch Morgen herrschte Ausgangssperre für Witze über den Torhüter, der sich vor einen Zug geworfen hatte.

Natürlich ist das für mich erst recht ein Ansporn, trotzdem Witze zu machen. Das stößt selten auf Gegenliebe. Ich werde mich aber an dieser Stelle dafür weder entschuldigen noch rechtfertigen.

Diese Trauergeilheit der Menschen und der Hype, den der Selbstmord ausgelöst hat, ist abstoßend. Es werfen sich nicht gerade selten Menschen in Deutschland vor den Zug, deren Berühmtheit gerade mal für zwei Zeilen im Lokalteil einer Zeitung unter „Verschiedenes” reicht.

35.000 Teilnehmer am Trauermarsch zum Gedenken für den Torwart der Herzen gestern Abend in Hannover sprechen für sich. Geholfen hat von denen keiner Robert Enke in seinen schwersten Stunden. Post mortem hilft der Trauermarsch auch nur den Teilnehmern selber, denen der Torhüter als Projektionsfläche dient.

Wenn die akkute Medienpräzenz einen Nutzen haben könnte, dann den, dass die Menschen endlich erkennen und akzeptieren, dass Depressionen eine ernstzunehmende Krankheit ist. Das ist nichts, was man einfach so als Anstellerei abtun sollte.

2 Replies to “Mediengeile Geschmacklosigkeit”

  1. Die Presse will Geld verdienen. Kein Anlass ist zu schade, um von den wirlich wichtigen Dingen abzulenken.
    Ab und an wird zumindest diese Krankheit aufgegriffen und zum Thema gemacht – wenigstens etwas. Auch wenn der Anlass dafür lange durch die Krise/Arbeitsplatzverluste etc. gegeben war.

    Medien werden gesteuert und sind lange nicht mehr frei in der Berichterstattung.
    Sie sind das beste ‚Instrument‘ für Volksverdummung. Und dies läßt sich die Elite nicht aus der Hand nehmen!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren