Mediengeile Geschmacklosigkeit

Nach dem Selbstmord eines Fußballspielers am Dienstag Abend wurde über Deutschland der Ausnahmezustand verhängt. Bereits am Mittwoch Morgen herrschte Ausgangssperre für Witze über den Torhüter, der sich vor einen Zug geworfen hatte.

Natürlich ist das für mich erst recht ein Ansporn, trotzdem Witze zu machen. Das stößt selten auf Gegenliebe. Ich werde mich aber an dieser Stelle dafür weder entschuldigen noch rechtfertigen.

Diese Trauergeilheit der Menschen und der Hype, den der Selbstmord ausgelöst hat, ist abstoßend. Es werfen sich nicht gerade selten Menschen in Deutschland vor den Zug, deren Berühmtheit gerade mal für zwei Zeilen im Lokalteil einer Zeitung unter „Verschiedenes” reicht.

35.000 Teilnehmer am Trauermarsch zum Gedenken für den Torwart der Herzen gestern Abend in Hannover sprechen für sich. Geholfen hat von denen keiner Robert Enke in seinen schwersten Stunden. Post mortem hilft der Trauermarsch auch nur den Teilnehmern selber, denen der Torhüter als Projektionsfläche dient.

Wenn die akkute Medienpräzenz einen Nutzen haben könnte, dann den, dass die Menschen endlich erkennen und akzeptieren, dass Depressionen eine ernstzunehmende Krankheit ist. Das ist nichts, was man einfach so als Anstellerei abtun sollte.

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