Ausbruch der Anarchie

Im Haus, in dem DER CHEF und ich wohnen, scheint die Anarchie auszubrechen. Nachbarschaft wird durch etwas abgelöst, was sich mit „wir wohnen im gleichen Haus, haben aber nichts miteinander zu tun” nur vage beschrieben werden kann. Einen sozialen Zusammenhalt gibt es schon lange nicht mehr.

Im Haus gibt es zwei Kellerwohnungen mit Gittern vorm Fenster, die laut Flächennutzungsplan nur als Büroräume vermietet werden dürfen. Unsere Vermieterin scheint das nicht zu stören, da sie mittlerweile beide Wohnungen an Studenten vermietet.

Nicht das DER CHEF und ich was gegen Studenten hätten. Wie waren ja selber mal jung, könnte man altersmild lächelnd anführen. Was uns aber nicht gefällt, ist das Verhalten unserer Mitbewohner, unter denen nicht nur Studenten sind. Seit unserem Einzug vor etwas über vier Jahren sind alle anderen Wohnungen vollständig mit neuen Mieter befüllt worden. Es wohnt keiner mehr im Haus, der zum Zeitpunkt unseres Einzugs dort gewohnt hat. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn wir nicht die Einzigen wären, die sich an die Waschtage halten und die Hausmülltonnen, in denen alle ihren Müll werfen, an die Straße stellen würden. Nicht zu vergessen ist, dass wie auch wohl die Einzigen sind, die die Putzfrau, welche sich um den Hausflur kümmert, bezahlen.

Die Vermieterin kümmert sich anscheinend um nichts mehr und lebt fern der Dinge in Süddeutschland. So etwas wie eine Hausordnung ist nicht vorhanden, denn das können doch die Mieter untereinander regeln. Dazu haben DER CHEF und ich zunehmend keine Lust mehr. Wir waren stets nett und hilfsbereit. Noch zu Ostern haben wir nachts vor jede Tür kleine Schoko-Osterhasen gestellt. Dank haben wir dafür nicht erwartet, aber wir hätten schon ganz gerne Dinge wie geborgte Glühbirnen und ähnliches zurückbekommen.

Sind wir spießig, konservative? Gefühlt würde ich die Frage mit einem Nein beantworten. Wir wollen nur einr uhiges friedliches Miteinander in einer Hausgemeinschaft. Anscheinend ist das in einer Gesellschaft, wo zunehmend nur noch jeder an sich denkt, schon zu viel verlangt.

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