Mehr drin

Es gibt so einen Spruch, dass manchmal mehr drin ist, als man denkt. Nicht nur manchmal, sondern häufig sieht man das nicht auf den ersten Blick. Aber der Reihe nach.

Die Bahn hat gestern zum Fahrplanwechsel im Dezember eine erneute Preiserhöhung angekündigt. Um durchschnittlich 1,5 Prozent werden die Preise steigen. Die Bahn selber bezeichnet das als moderate Erhöhung. Für die Bahncard 100, 2. Klasse, werden mikrige 150 Euro jährlich fällig. Dabei fällt es auch nicht ins Gewicht, dass für jede Platzreservierung künftigt 50 Cent mehr zu zahlen sind. Für den Autor dieser Zeilen sind das monatlich 16,50 Euro mehr (8 Resevierung pro Monat plus die höheren Kosten für sie Bahncard 100) mehr.

Natürlich wird die Bahn jetzt heftig kritisiert – vor allem von denen, die nicht aufs Auto angewiesen sind. Dabei ist es doch so, dass der Reisende für dem höheren Fahrpreis auch mehr geboten bekommt. So gibt mehr Verspätungen, es fahren immer mehr Menschen mit dem Zug, die ICEs der 2er Reihe sind doppelt so dreckig wie andere Züge und dank ausfallender Mobilfunkverstärkung hat man mehr Ruhe während der Fahrt, die nur durch mehr Durchsage mit genuschelten Entschuldigungen und Werbung für das Bordbistro unterbrochen wird.

Kompensiert werden bei der Bahn durch die Mehreinnahmen von 50 Millionen Euro die fallenden Energiekosten und die Einsparungen beim Personal und der Sicherheit. So bleibt dann mehr über für Führungskräfte, die die Bahn in den sicheren Ruin treiben.

Wenn die Preiserhöhung tatsächlich eine „Entscheidung mit Augenmaß” ist, wie der neue Bahnchef Rüdiger Grube behauptet, dann sollte er dringend zum Augenarzt, da er heftigt schielt. Probleme wegen der ICE-Achsen, brennende ICEs, defekte Bremsen bei der Berliner S-Bahn – es stellt sich da nicht nur die Frage, mit welcher Berechtigung die Preise erhöht werden, sondern auch die, ob für die Zukunft der Bahn nicht ein neues Kursbuch notwendig ist.

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