Verdrehte Wahrheit

Verdrehte Wahrheit

Stellen wir uns zwei Menschen vor, die einer drohenden Zwangsräumung aus einer Wohnung, in der sie über 40 Jahre gewohnt haben, zuvorkommen und selber ausziehen. Das ihnen dies nicht leicht gefallen ist, kann angenommen werden.

Tragisch daran ist aber, dass sie zuvor jede Hilfe abgelehnt haben – selbst den Vorschlag der Vermieterin, im selben Haus in eine kleinere, günstigere Wohnung zu ziehen.

Je mehr ich über die Hintergründe erfahren habe, desto merkwürdiger kam mir das alles vor. Am schlimmsten war aber, als ich gestern von der Sache mit dem Schimmel erfuhr.

Die besagten Nachbarn haben in den Jahren, in denen sie in der Wohnung gelebt haben, nie einen Handwerker reingelassen. Sicher kann man nur spekulieren, aber ich denke, dass sie am Schimmel in der Wohnung nicht umschuldig sind – sie haben selbst den Handwerkern, die sich um den Wasserschaden kümmern wollten, den Zutritt zu ihrer Wohnung verweigert.

Sicher, man konnte sie jetzt in Ruhe ziehen lassen, schliesslich sind wir nur Nachbarn und keine Hauseigentümer. Es gibt aber Dinge, die mich aufregen. Durch ihre Weigerung, Handwerker in die Wohnung zu lassen, ist auch unser Keller betroffen. Der Schaden ist zwar nicht groß, aber ärgerlich.

Zudem haben sie angefangen, auch noch die anderen Nachbarn gegen unsere Vermieterin aufzuhetzen. Das jemand nicht herausposaunt, er müsste auf Grund einer bevorstehenden Zwangsräumung, die das Ergebnis von über Jahre hinweg nicht gezahlter Miete ist, ausziehen, ist verständlich. Aber allen zu erzählen, man würde wegen des Schimmelbefalls in der Wohnung ausziehen, verdreht doch etwas die Wahrheit – zumal sie dann noch einen ahnungslosen, hilfsbereiten Mieter mit reingezogen haben, der für sie dem Schimmel fotografieren sollte.

3 Replies to “Verdrehte Wahrheit”

  1. Wenn sie wegen Mietschulden ausziehen, wirst Du wahrscheinlich Deine Versicherung in Anspruch nehmen müssen, da bei diesen Mietern sowieso nichts zu holen wäre. Ärgerlich ist es auf jeden Fall.

  2. Klingt irgentwie nach Verwahrlosung, auch wenn sie schon 40 Jahre dort lebten. Mittlerweile müssen sie schon älter sein, wollen aber nicht zugeben, dass sie es nicht mehr schaffen, selbständig die täglichen Aufgaben zu meistern. Dann ist es vielleicht ganz gut wenn sie ausziehen. Eine neue Wohnung in einem betreutem Wohnheim wäre wohl gut.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren