Elefant im Schießstand

Um es direkt vorweg klarzustellen: in Bezug auf Elefanten habe ich keine Vorurteile. Ich bin nur der Meinung, dass sie auf einem Schießstand ebenso wenig verloren haben wie Kinder und Jugendliche. Wobei es im Sprichwort ja eigentlich heißt „Wie ein Elefant im Porzellanladen”, in dem Kinder vermutlich zu einen sichtlich nervösen Verkäufer führen.

Wieder schweife ich ab, dabei gibt es durchaus einen Bezug zum eigentlichen Thema. Von einem Elefant im Porzellanladen spricht man, wenn sich eine Person sehr ungeschickt oder unsensibel benimmt – so wie zum Beispiel die Neue Westfälische.

Die Halbwertszeit von Ereignissen, im Journalisten-Jargon Schlagzeilen genannt, ist erstaunlich kurz. Vor nicht all zu langer Zeit wurde in einer Schule in Deutschland (weiß noch jemand ohne zu googlen, wo das war?) ein Blutbad angerichtet. Der Täter hatte die Waffe von seinem Vaters entwendet. Angestimmt wurde anschließend das Lied der bösen Killerspiele – dass der Vater Sportschütze war und in diesem Zusammenhang in den Besitz der Waffen gelangt ist, war nur am Rande zu vernehmen.

Nicht selten stammt in Deutschland der Täter bei einem Amoklauf in einer Schule aus dem Umfeld eines Sportschützenvereins. Das im Hinterkopf wundert man sich als Leser der NW doch schon über den Bericht über die Fertigstellung eines neuen Schießstandes, der mit der Überschrift „Draußen ist nichts mehr zu hören” betitelt ist.

Nur ein Versehen, eines der vielen Fettnäpfchen, in die die Lokalredakteure zu treffsicher treten? Oder ist das zynisch gemeint? Nach einem Amoklauf hört man draußen tatsächlich nichts mehr. Unterstellen wir mal, dass dies nicht gemeint war. Dann bezieht sich das wohl auf das „Hobby” selber, dem nun mehr im Verborgenen nachgegangen wird. Draußen hört man nichts mehr, dass drinnen mit Waffen geschossen wird. Mit Waffen, die auch töten können. Draußen, so ließe sich schlussfolgern, hört man nicht, was drinnen vor sich geht – bis zum nächsten Amoklauf zumindest.

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