Die verlorenen Sieger

Die verlorenen Sieger

Wir alle wissen, dass ein Sieg des öfteren auch den Beigeschmack der Niederlage haben kann – nicht nur für den Verlierer. Mitunter kann es sogar vorkommen, dass sich der angebliche Verlierer bereits im Vorfeld mit der zu erwartenden Niederlage arrangiert hat. Der Sieg erweist sich für dem Gewinner als Pyrrhussieg.

Erinnern wir uns an die berechtigte Klage der SPD in Nordrhein-Westfalen gegen den gemeinsamen Wahltermin für die Kommunal- und Europawahl. Das Verfassungsgericht entschied, dass der Termin für die Kommunalwahl nicht in Frage kommt, da die neu gewählten Mandatsträger erst im Herbst die politische Verantwortung übernehmen – viel zu spät.

Am 7. Juni findet daher nur noch die Europawahl statt, der Termin für die Kommunalwahl steht noch aus. Der neue Termin ist weniger problematisch für die Kommunalwahl, aber offensichtlich kritisch für den Europawahlkampf der SPD. Während sich die CDU auf den Fall ihrer Niederlage vorbereitet hat und daher in NRW genügend Mittel für einen separaten Europawahlkampf zur Verfügung stehen, gab es solche Planung nicht bei der SPD. Es wurden keine Rücklagen gebildet. Im Endergebnis sieht das dann so aus, dass in NRW die CDU im Verhältnis 4:1 mehr Wahlplakate, Flyer etc. einsetzen kann und wird.

Den Genossen in NRW bleibt nichts anderes über, als einen Low-Budget Wahlkampf zu führen. Das ist insbesondere für die Kandidaten mehr als bedauerlich. Zusätzlich werden dann noch junge Hoffnungsträger wie Christoph Dolle mit nahezu aussichtslosen Listenplätzen abgespeist. Dabei wären es gerade sie, die die Jungwähler für Europa wenn nicht begeistern, so doch zumindest erwärmen können.

Als Parteimitglied kann man nur verwundert fragen, ob das Thema Europa denn der SPD nicht wichtig ist. Derzeit scheint es so, als ob alles auf den Bundestagswahlkampf ausgerichtet ist. Das ist nicht nur ein strategischer Fehler, sondern auch eine verlorene Chance.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren