Waschbärtage

Es soll Tage geben, an denen man schon vor dem Aufstehen von ungemütlichen Regenwetter begrüsst wird. Im weiteren Verlauf will es dann nicht richtig hell werden. Zu allem Übel kommt dann noch hinzu, dass es sich um einen arbeitsfreien Tag, meistens den Sonntag, handelt. Auf die Uhr blickend und die gestrige Nacht überdenkend, werden sich die meisten dann wieder im Bett umdrehen und versuchen, noch etwas weiter zu schlafen. Auch wenn der Wille zum Ausschlafen vorhanden ist, so wird es doch nicht gelingen.

Widerwillig wird dann aufgestanden, nur um im Badezimmer eine Person im Spiegel zu erblicken, mit der man nur noch entfernt Ähnlichkeit hat. Möglicherweise rettet einen ja das Frühstück und eine große Kanne Kaffee. Ungeduscht und im Schlaberlook wird sich dann an den Tisch gesetzt vielleicht sogar in der Zeitung geblättert. Nach zwei bis drei großen Tassen Kaffee stellt sich die Gewissheit ein, dass man wohl nicht wach werden wird. Es ist dieser Zustand zwischen Müdigkeit und Wachsein, der jede Form von Entscheidung nahezu unmöglich macht.

Wer in diesem Zustand den Fernseher einschaltet, ist hoffnungslos verloren. Bis zur völligen Gehirnaufweichung wird er davor ungewaschen den ganzen Sonntag verbringen. Besonders kluge könnten auf die Idee kommen, sich noch mal für eine Stunde ins Bett zu legen. Dank des vorangegangene Kaffeekonsums ist das aber eher ein zweifelhaftes Vergnügen. Was wirklich hilft, ist nicht bekannt. Dagegen anzukämpfen führt nur zur unnötigen Energieverschwendung – vor allem Energie, die man gerade gar nicht hat.

Mit dem Voranschreiten der Stunden wird nichts besser, aber die Angst vor dem Montag führt zumindest zu einer Simulation von Tätigkeiten. Panisch wird sich schnell noch geduscht. Es könnten ja Nachbarn klingeln. Tatsächlich klingeln die Nachbarn natürlich nicht an, weil sie sich dann selber vorher was ordentliches anziehen müssen. Sinnierende über die eigenen Unzulänglichkeiten starrt man aus dem Fenster. Draußen sind tatsächlich Spaziergänger unterwegs, die einen missmutigen Hund, der sich lieber hinter dem Ofen verkrochen hätte, hinter sich herschleifen und zwanghaft gute Laune verbreiten.

Zur Ablenkung konzentriert man sich auf das Abendessen, während man ohne Hunger auf der Suche nach Süßigkeiten die Wohnung durchstreift. Mit einer kuscheligen Decke wird sich noch schnelle eine gemütlich Höhle gebaut, in der auf dem Sofa mit einem guten Buch und reichlich Tee der Rest des Tages verbracht wird – stets dem Risiko ausgesetzt, nicht doch noch den Fernseher einzuschalten.

Weniger als zwölf Stunden später sitz man nicht mehr auf dem Sofa, sondern immer noch müde im Bürostuhl und jammert vor sich, dass das Wochenende mal wieder viel zu kurz gewesen sein.

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