Zurück zum Tagesgeschäft

Es ist immer wieder erschreckend, wie schnell zum Tagesgeschäft übergegangen wird. Der Amoklauf von Winnenden, der die Katastrophe von Köln von den Titelseiten abgelöst hat, wird da keine Ausnahme sein. Aber besteht Interesse an der Tat, es wird also fleißig beschrieben und berichtet. Man kann schon zynisch werden und sich fragen, warum der Täter noch bis heute gewartet hat. Ein Amoklauf an einem Freitag den 13. wäre doch – wie gesagt, man wird zynisch, stumpft in gewisser Weise ab.

Der größte Teil dessen, was in den letzten Tag zum Amoklauf gelesen habe, gehörte entweder in die Kategorie wild zusammen geschrieben oder aber wäre als Schulaufsatz mit dem Kommentar „Thema verfehlt” unterschrieben gewesen.

Auch die jetzt mal wieder einsetzende Diskussion ist weitestgehend ermüdend, weil sich Politiker, Wissenschaftler und Journalisten der Einsicht, was wirklich Ursache für die Tat war, verschliessen. Zumindest der Großteil von ihnen. Killerspiele und Waffen zu verbieten ist billig. Das Schul- und Bildungssystem endlich von Grund auf zu sanieren dagegen teuer.

In der Süddeutschen Zeitung von heute hat Thomas Steinfeld es in seinen Artikel „Verletzte Ehre – Über die Versuche, Amokläufer nicht zu verstehen” gut auf den Punkt gebracht:

Wer angesichts solcher Taten von „sinnloser Gewalt” spricht, erklärt schon von vorneherein, dass er sich mit den Gründen nicht befassen will. … Erst wenn verständlich wird, welchen „ Sinn” ein Amoklauf für den Täter ergeben soll, kann überhaupt eine Vorstellung davon entstehen, wie eine Gesellschaft aussehen könnte, in der so etwas nicht mehr geschieht.

Es ist zu befürchten, dass wir auch aus diesen Amoklauf wieder einmal nichts lernen und ohne weiteres in Kürze zurück zum Tagesgeschäft übergehen werden – bis zur nächsten „sinnlosen, unverständlichen” Tat.

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