Der perfekte Weihnachtsbaum, Teil VI

Heiligabend. Immer noch kein Weihnachtsbaum in Sicht. Die vorsichtige Erwähnung des Wortes „Kunstbaum” von Mama führte zu einem Streit, der sich fast schon wie der Vorabend einer Scheidung anfühlte. Das heftige Zugknallen der Haustür beendete die Diskussion. Papa war draussen. Von dort hört ich seine sehr laute Stimme, als sie meinen Namen rief. Auch ein verzweifeltes Kulleraugengesicht Richtung Mama würde mir jetzt nicht helfen, also ergab ich mich meinem Schicksal.

Bis ich meine Jacke angezogen, die Schuhe zugebunden und nach draussen gegangen war, saß Papa schon im Auto bei laufendem Motor. Das würde den Nachbarn nicht gefallen. Besonders einem nicht, so ein komischer Kauz. Wenn man vom Teufel spricht – er kam gerade um die Straßenecke und schob sein Fahrrad. Schien wohl einen platten zu haben. Wie immer, wenn er nicht gerade zur Arbeit ging, hatte er einen billig aussehenden Trainingsanzug an. Wer ihn schon mal mit Krawatte und Maßanzug gesehen hatte, würde wahrscheinlich nicht glauben, dass es ein und dieselbe Person ist. Ein lautes Hupen erinnerte mich daran einzusteigen.

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