Der perfekte Weihnachtsbaum, Teil V

Der perfekte Weihnachtsbaum, Teil V

Nach siebenundzwanzig Minuten und vier Minuten fuhr der ICE am Wartehäuschen vorbei. Winfried trug die Zeit in sein Notizbuch ein. In zwölf Minuten sollte der Regionalzug kommen. Vielleicht war er ja pünktlich, aber Winfried glaubte es nicht. In den folgenden Minuten ließ er seine Gedanken etwas schweifen, blieb aber dann doch an einer Sache hängen. In zwei Tagen war Heiligabend. Wieder eines der vielen Weihnachtsfeste, die er alleine verbringen würde. Wobei er ja nie wirklich alleine war. Er musste nur einen Knopf drücken und alle seine Freunde waren direkt in seinem Wohnzimmer.

Die Frage danach, was er essen sollte, stellte sich nicht. Wie jedes Jahr, würde es natürlich Kartoffelsalat und Würstchen geben. Beides hatte er schon vor Tagen im Supermarkt gekauft und es sollte eigentlich noch haltbar sein. Das bisschen Grünzeug, was er mit kleingeschnittener Aluminiumfolie dekorieren wollte, konnte er sich morgen noch vom Friedhof holen. Natürlich würde Winfried nichts von einem Grab stehlen, so pietätslos war er nicht. Auf dem Kompost gab es genügen Grünschnitt und Kränze, die meistens noch ganz brauchbar waren. Wenn er dann die Zweige in seinen Lochbalken steckte, ergab das ein doch ansehnliches kleines Bäumchen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren