Der perfekte Weihnachtsbaum, Teil II

Der Haussegen hing schief. Im Gegensatz zu den bisherigen Weihnachtsfesten, jedenfalls soweit ich mich erinnern kann und nicht mehr glaubte, dass der Weihnachtsbaum auch vom Christkind gebracht wurde, hatte Papa in diesem Jahr noch keinen Baum besorgt. Meine kleine Schwester Bettie, die nicht nur einen bescheuerten Namen hatte, quengelte schon seit Tagen. Sie wollte unbedingt den Baum mit schmücken, nach dem ihr durch eine Mitschülerin gesteckt wurde, wer tatsächlich die Geschenke bringt. Zu dumm nur, dass es bei der besagten Mitschülerin zu Hause niemanden gab, der Geld für Geschenke hatte.

Ich für meinen Teil würde auf jeden Fall was bekommen. Und ich wusste auch schon was. Die Geschenke vor Weihnachten zu finden, war keine Herausforderung. Dafür war es dann bei der Bescherung eine Herausforderung, so zu tun, als wäre ich völlig überrascht. Wirklich überrascht war ich nur, dass wir noch keinen Baum hatten. Mama war eigentlich zurückhaltend, aber so langsam wurde sie auch nervös. Es ist auch nicht gerade leicht, Plätzchen zu backen, wenn Bettie immer wieder in die Küche stürmt und „Wann kommt der Baum, wann kommt der Baum” ruft.

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