Der perfekte Weihnachtsbaum, Teil I

Wochenende, das letzte vor Heiligabend. Die meisten Menschen waren auf dem Höhepunkt ihres Kaufrausches angekommen. Für Winfried traf das nicht zu. Genau genommen wies sein bisheriges Leben erstaunlich wenig Höhepunkte auf. Sicher, beruflich konnte er sich nicht unbedingt beklagen. Das was er machte, war allerdings zu kompliziert, um es in wenigen Sätzen einer Partybekannschaft zu erklären. Nicht etwa, dass Winfried auf Partys ging oder irgendwelche Bekanntschaften hätte. Aber würde er gefragt werden, was er denn so mache, er würde wohl nur sagen, dass er irgend so einen Verwaltungsjob in einer Behörde hätte. Das klang unauffällig und langweilig und kam dabei der Wirklichkeit erstaunlich nah.

Trotzdem gab es auch Dinge, die Winfried gerne tat. Wie jeden Samstag, zog er sich seinen Trainingsanzug an und schwang sich auf sein Hollandrad. Der Bahndamm war etwa zwei Kilometer entfernt. Ein Distanz, die auch bei Regenwetter, so wie an diesem Adventssamstag, gut zu schaffen war für Winfried. Das Wichtigste hatte er zuvor in eine Plastiktüte eingewickelt und mit einem Gummiband gesichert. Auch wenn alles andere nass werden konnte, so traf das nicht auf sein Notizbuch zu. Am Bahndamm angekommen, schloss Winfried sein Fahrrad sorgfältig ab und ging den kleinen Fußweg hoch zum Wartehäuschen.

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