Wer nicht kämpft, der hat schon verloren

Mit genau neun Stimmen mehr hätte es Nicolas Tsapos gestern geschafft, den Favoriten des Unterbezirksvorstandes, Guntram Schneider, zu schlagen. Ein sehr knappes Ergebnis, das leider die Hoffnungen auf einen frischen Kandidaten für die Bundestagswahl enttäuschte. Aber gut, so ist das nun mal, könnte man sagen und resigniert mit den Schultern zucken und sich dann geschlossen hinter den Sieger stellen.

Ganz so einfach ist wird das aber nicht sein, dafür wurde Sorge getragen. Lassen wir den Ablauf des gestrigen Abends noch mal Revue passieren. Zu Beginn der Wahlkreiskonferenz wurde das Für und Wider einer geheimen Wahl in der Variante mit Wahlkabinen erläutert. Die anschließende Abstimmung führte dazu, dass wie bisher üblich ohne Wahlkabinen „geheim” gewählt werden sollte.

Nach den restlichen formalen Dingen folgte dann die Präsentation der beiden Kandidaten. Jedem wurden 30 Minuten zur Vorstellung zugesprochen – etwas merkwürdig, denn eigentlich gab es ja im Vorfeld extra Termine, wo die beiden Kandidaten ausführlich für sich werben konnten. Inhaltlich setzten beide Kandidaten ähnliche Schwerpunkte, wobei es Nico schaffte, konkreter Bezüge zur Situation in Bielefeld zu schaffen. Obwohl mir der Stiel der Rede von Guntram nicht zugesagt hat und ich das krächzende Brüllen von Parolen für überholt halte, hatte ich nach den ersten 30 Minuten für mich den Punkt erreicht, mich auch mit ihm als Kandidaten abfinden zu können, wenn Nico unterliegen sollte.

Die Rede von Nico war, wie schon in den Vorrunden, genau auf meiner Linie. Die ruhige, sachliche Art spricht mich einfach mehr an. Je länger er redete, desto stärker schwand auch die Nervösität. Am Ende erhielt er subjektiv etwas mehr Applaus als Guntram – schade eben nur, dass die die zahlreichen Zuschauer nicht mit abstimmen durften.

Statt der sonst üblichen Aussprache folgte dann ein so genanntes Sekundanten-Modell, welches von Pit Clausen vorgeschlagen wurde. Jeder der beiden Kandidaten hat im Vorfeld sechs Redner benannt, die jeweils fünf Minuten Zeit hatten, noch mal für ihren Kandidaten zu werben. An sich keine schlechte Idee, den so wurden ausufern Debatten verhindert. Wären alle Sekundanten fair geblieben, hätte das Verfahren auch zur Befriedung des Unterbezirks führen können. Unglücklicherweise wurde Öl ins Feuer dadurch gegossen, dass die Guntram-Fraktion mit teilweise weit unter die Gürtellinie zielenden Schlägen gegen Nico ausholten. Wer eine solche Politik der verbrannten Erde betreibt, tut dies aus einer Schwäche und Angst heraus.

In der Neuen Westfälischen die im Großen und Ganzen sachlich über das gesamte Verfahren auch schon im Vorfeld berichtet hatte, und daher keinesfalls diese unziemliche Medienschelte verdient, stand heute eine sehr treffender Kommentar:

…müssen sich die SPD-Funktionäre, die die Bewerbung von Nico Tsapos bis zum Ende als Majestätsbeleidigung gegen den Parteivorstand betrachtet haben, fragen lassen, ob sie das Prinzip einer innerparteilichen Demokratie verstanden haben.

Hört sich hart an, ist aber so. Für seinen Mut, gegen Guntram zu kandidieren, wurde Nico von Teilen der SPD geschnitten:

Spitzen-Sozialdemokraten sprachen gar tagelang nicht mehr mit dem 39-Jährigen.

Ein solches Verhalten ziemt sich nicht für eine Partei, die sich selbst sozialdemokratisch nennt.

Am Ende steht der Verlierer als Gewinner da – viele Menschen in Bielefeld, davon kann Nico ausgehen, stehen hinter ihm. Sein Auftreten, sein Verhalten und die Art, wie er diesen harten Schlag eingesteckt hat, haben ihm weit über Bielefeld hinaus Respekt verschafft.

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