Auf den Hund gekommen

Frau S., nicht bekannt aus Funk und Fernsehen, aber schon mehrfach hier in diesem Bloc erwähnt, erzählt (meistens allen, die nicht das Glück haben, taub zu sein) Anfang der Woche, dass sie sich derzeit um den Hund ihrer Mutter kümmern müsse. Diese in Berlin lebende Mutter, so war zu erfahren, war am Wochenende ins Krankenhaus gekommen. Eine Operation auf Grund von Lippenkrebs stand an. Die uns auch aufgetischte Krankenvorgeschichte lasse ich mal an dieser Stelle aus.

Während Frau S. dann auch noch irgendwelche Hundekrankheiten erwähnte, schweiften meine Gedanken weiter ab. Mich beschlich ein sehr ungutes Gefühl – wie vermutlich die meisten auch. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mutter das Krankenhaus lebend verlassen würde, hielt ich für wenig hoch.

Ich glaube, Frau S. hatte auch eine Vorahnung, da sie immer wieder davon erzählte, was sie denn, wenn der Hund länger zu Gast bleiben würde, alles zu tun hätte.

Gestern Abend, auf der Rückfahrt, wurde Frau S. während eines Telefonates mit dem Krankenhaus ungewöhnlich still. Es es ist, denke ich, unnötig zu erwähnen, was passiert ist.

Für mich als Mitreisenden ist nicht einfach, so sehr am Leben fremder Menschen teilzunehmen. Mir mangelt es nicht an Mitgefühl, wirklich nicht. Dennoch können manche Situationen etwas überfordern, was dann dazu führt, das einem die passenden Worte fehlen.

Ich für meinen Teil reagiere dann mit Schweigen, statt meine Mitmenschen mit eigenen Leidensgeschichten oder Belanglosem aufzubauen. Richtig oder falsch, ich weiß es nicht.

Ach ja, der Hund. Der wird jetzt wohl dauerhaft in. Bielefeld wohnen. Bielefeld statt Berlin – das Tier kann einem schon leid tun.

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