Nur aus meinen toten, kalten Händen

Nur aus meinen toten, kalten Händen

Am Wochenende ist der Schauspieler Charlton Heston gestorben – vielen nicht nur als unbelehrbarer Vorsitzender der National Rifle Association, jene kruden amerikanischen Waffenlobby, bekannt, sondern auch wegen seiner Rollen in Klassikern wie Ben Hur, die 10 Gebote und Planet der Affen.

Weniger bekannt sein dürfte, dass es eine Zeit gegeben hat, in der Heston noch nicht zur dunklen Seite gewechselt war. In den 60er Jahren war er nicht nur eine Gegner der Rassentrennung und Unterstützer von Martin Luther King, sondern auch ein überzeugter Demokrat.

Es ist schon merkwürdig, wie ein Mensch sich so ändern kann. In den 80er Jahre wechselte der Freund von Ronald Regan ins rechte Lager der Republikaner. Mit seiner späteren Alzheimererkrankung lässt sich dies wohl kaum erklären. Sein Gesinnungswechsel relativiert sein früheres Engagement, muss man leider anmerken.

Über Tote soll, so sagt man, nicht schlecht gesprochen werden. Nun, auf solche Dinge achte ich eh nicht. Zumal sich zumindest jetzt das Gewehr aus Hestons Händen nehmen lässt.

6 Replies to “Nur aus meinen toten, kalten Händen”

  1. Kurze Anmerkung zum Thema „amerikanische Waffenlobby“: In Deutschland ist die Gleichsetzung von Waffen=Gewalt=Krieg=Böse sehr weit verbreitet. In USA verbindet man mit Waffenbesitz die Befreiung von einer Kolionalmacht und damit den Gewinn von Freiheit. Das sollten wir bedenken, ehe wir pauschal die amerikanische Waffenlobby verdammen.

  2. @tboley: Jeder Mensch, der durch eine Waffe unschuldig ums Leben kommt, ist einer zuviel – da gibt es überhaupt gar keine Diskussion. Aber sind die Waffen daran Schuld? Jährlich sterben in Deutschland über 5.000 Menschen im Straßenverkehr (in USA noch viel mehr). Würde irgendjemand die Existenz von Autos dafür verantwortlich machen?

  3. @Vicco: der Vergleich ist mir doch etwas zu einfach. Nach der Doktrin sind dann wohl auch Atomkraftwerke, Massenvernichtsungswaffen und der AIDS-Virus völlig harmlos.

    Sicher ist es so, dass es auf die Menschen und den historischen Kontext ankommt – es belibt aber eine Tatsache, dass die USA das Land mit den meisten „Unfällen“ duch Schußwaffen sind.

  4. @tboley: Als „harmlos“ würde ich Waffen sicher nicht bezeichnen. Mit dem Auto-Vergleich wollte ich nur deutlich machen, dass man Gegenstände kaum für etwas „verantwortlich“ machen und dann pauschal „verteufeln“ kann.

    Was den Waffenmissbrauch in USA anbelangt, hast Du sicher Recht. Bemerkenswert ist aber, dass in anderen Ländern (z.B. Kanada oder Schweiz) bei ähnlich hoher Schusswaffendichte praktisch nichts passiert. Das wirft dann unweigerlich die Frage auf, ob in USA der private Waffenbesitz das Problem ist oder die Ursachen nicht anderswo liegen.

    PS: Gute Diskussion – auch wenn ich eigentlich nur auf eine andere Wahrnehmung von Waffen in der amerikanischen Gesellschaft hinweisen wollte. :o)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren