Große Spiele

Normalerweise ist der Sportteil der Süddeutschen Zeitung das Erste, was beim mir noch vor dem ersten Schluck Tee morgens aussortiert wird. Heute war das jedoch anders – wie sich der eine oder die andere bereits gedacht hat, denn sonst würde ich nicht darüberschreiben (meistens jedenfalls). Zu sehen waren protestierende tibetische Mönche vor dem Weißen Haus in Washington. In dem darunter stehenden Artikel ging es um die Start des olympischen Fackellaufs in Peking am Montag.

Mich wundert ja derzeit, dass die ganze braven Burma-Bloger-Aktivisten-was-auch-immer so schweigsam sind. Ist es das schlechte Gewissen, weil am eigenen MP3-Player Blut klebt? Oder ist das Nichtschreiben über China ein persönlicher Boykott? Keine Ahnung. Aber, wei so oft, ist es mir ja auch egal. Ich für meinen Teil beschäftige mich mit dem Thema, da ich nach wie vor die Meinung vertrete, dass die Spiele boykottiert werden sollten. Aber man kann ja durchaus auch anderer Meinung sein. Schließlich, so beleibt festzustellen, gibt es auch das Recht darauf, keine Meinung zu haben.

Zurück aber zu dem Artikel in der Zeitung. In Bezug auf die Veranstaltung der olympischen Spiele habe ich den Chinesen ja bisher viel zugetraut. Die Feier auf dem Platz des Himmlischen Friedens (allein die Wahl des Veranstaltungsortes verhöhnt erneut die Menschenrechte, zumal die Fackel von Hu Jintao entzündet wurde – einem der Hauptverantwortlichen für das Massaker an den Studenten) setzt da neue Maßstäbe.

Nicht nur, dass es nur eine verzögerte, zensurfreundliche Berichterstattung gab, und jegliche Form der Kritik schon im Ansatz erstickt wurde. Nein, wirklich neu für mich war folgendes:

Bezeichnend überdies, dass bei den Rahmenfeierlichkeiten zwar auch die Kostüme von Minderheiten-Volksgruppen präsentiert worden waren, darunter tibetische – diese aber von chinesischen Statisten getragen wurden.

Schande über den, der sich jetzt noch zum Helfershelfer der chinesischen Unterdrücker machen lässt! Jeder deutsche Sportler, der an den olympischen Spielen in China teilnimmt, ist kein Botschafter des Friedens, sondern ein Diener der Heuchelei.

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