Sprechblasen

Sprechblasen

Der böse, böse Mindestlohn für Briefträger ist es ja, der Schuld am Niedergang der Post-Konkurrenten PIN und TAN (nein, TNT) sein soll. Ich für meinen Teil würde ja eher auf was ganz anderes tippen – möglicherweise waren man in den Vorstandsetagen der Konkurrenz ja nicht so klug und hat seine Gewinne steuersparend im Ausland angelegt.

Aber das soll thematisch heute nicht so im Vordergrund stehen, denn viel interessanter fand ich die sprachlichen Leistungen des TNT-Konzernchefs Peter Bakker, die er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zeigte:

SZ: Sie haben vergangene Woche den Rückzug von TNT aus dem deutschen Briefgeschäft angekündigt. Warum?
Bakker: Erstens habe ich das nicht angekündigt, und zweitens würde ich das auch nicht wollen. Aber 9,80 Mindestlohn sind eine ernsthafte Bedrohung für den Wettbewerb in Deutschland. Deshalb fechten wir ihn auch vor Gericht an.
SZ: Und wenn Sie verlieren?
Bakker: Dann kann ich in der Tat nicht ausschließen, dass wir das Geschäft in Deutschland einstellen müssen. Ich sage nicht, dass die Entscheidung feststeht, es ist zur Zeit eine Option.

So also. Er will nicht den Rückzug aus dem deutschen Briefgeschäft, hält sich aber gleichzeitig alle Optionen offen. Wenn ich etwas nicht will, dann mache ich es auch nicht und ziehe es nichtmal in Erwägung.

5 Replies to “Sprechblasen”

  1. Ich WILL ja auch keine Steuern zahlen. Trotzdem MUSS ich sie zahlen und muss es auch in betracht ziehen das sie mir von meinem Bruttolohn automatisch abgezogen werden.

    Es gibt doch wohl große Unterschiede zwischen dem was viele wollen und das was sie können. TNT würde mit Sicherheit gerne weiterhin Briefdienstleistungen in Deutschland anbieten, wenn sie dazu aber auf Grund des Mindestlohns und den 16% Mehrwertsteuer (die die Post AG nicht zahlen muss!) so hohe Preise verlangen müssen das niemand TNT nutzen würde, wird es sehr schwer werden das umzusetzen. Keine Kunden, kein Geschäft.
    Wenn also abzusehen ist das einem Unternehmen in Zukunft die Kunden scharenweise abhauen, wird dieses, auch wenn es schwer fällt, Optionen in Betracht ziehen müssen über die sie ansonsten nie nachgedacht hätten.

  2. Das die gelbe Post ohne und die Anderen mit Mehrwertsteuer belastet wird, stellt eine klare Chancenungleichheit dar. Hiergegen hätte die Politik was unternehmen müssen. Darauf hat der Springer-Konzern, als er eine halbe Milliarde Euro investierte, ja spekuliert. Leider ist das mit der Diskussion um Mindestlöhne in die Hose gegangen.

    Das der Postmarkt äußerst personalintensiv ist, haben die aber vorher gewusst und das man über ein erforderliches Briefvolumen verfügen muss, um kostendeckend Arbeiten zu können, auch.

    Die Frage die ich mir stelle: Wie tief sollen die Löhne denn noch sinken? Die fallen doch in dieser Branche bis auf den Erdkern.

    Worüber ich nur den Kopf schütteln konnte, war die Tatsache, dass die Mitarbeiter allen ernstes gegen den Mindestlohn demonstriert haben. Dann sind die auch mit drei Euro zufrieden oder was??

    Das jetzt alle Register gezogen werden müssen ist doch klar. Wer betreibt denn schon gerne ein Zuschussgeschäft?

    Mir tun nur die Mitarbeiter leid, denen man Hoffnungen gemacht hat und jetzt fallen lässt. Das facht dann auch gleich wieder die Frage nach Ethik, Moral und Verantwortung der Wirtschaft an.

    Wie hat es Milton Friedman so treffend gesagt: „The social responsibility of business is to increase its profits (and nothing else!)“

  3. [Name eines bekannten Paketzustellers]: 12 Stunden tägliche Arbeitszeit, 1.200 Euro netto. Mein Taschenrechner sagt mir das dies ca. 5 Euro/Std netto bzw. 7.50 Euro/Std brutto sind.
    Würde jemand in dieser Branche einen Mindestlohn fordern, würden wir in Zukunft nur noch mit DHL versenden. Wobei die Deutsche Post sich massiv durch Subunternehmen unterstützen lässt, welche ebenfalls nur verdammt wenig von Mindestlöhnen und geregelten Arbeitszeiten halten. Beispiel gefällig? Wechselbrücken (so eine Art Container) für die Deutsche Post fahren (Dauernachtschicht, soll ja alles am nächsten Tag beim Kunden sein) für 1.600 Euro Brutto. Arbeitszeiten: 56 Stunden darf man so einen Bock pro Woche Lenken (!), plus Arbeitszeiten für Be- und Entladen. Mit 60+ Stunden ist man dabei.

    Die Preise und somit die Löhne werden nicht von den Unternehmen gemacht, sondern von den Kunden die nie mehr ausgeben wollen als unbedingt nötig. Wenn Lieschen Müller einen Brief für 45 Cent anstatt 50 Cent verschicken kann, werden ihr Mindestlöhne und soziale Verantwortung ad hoc völlig unbekannte Begriffe sein.
    Und wenn die Deutsche Post den Mindestlohn unterläuft indem sie Subunternehmer beschäftigt, während andere Briefdienstleister wie z.B. TNT zum größten Teil ihre eigenen Flotten betreiben, dann werden den Konkurrenten der Deutschen Post nicht viele Optionen übrig bleiben.

  4. Zum Mindestlohn: Also, ich bin ganz klar dafür, denn wenn Hungerlöhne bezahlt werden, bedeutet das letzdendlich, dass die Gesellschaft für Differenz aufkommen muss, damit mit den kargen Löhnen ein Überleben gesichert ist. Meiner Meinung darf es nicht sein, dass eine Gesellschaft somit die Gewinne von Unternehmen mitfinanziert.

    Preise werden vom Kunden gemacht: So ganz kann ich dem nicht zustimmen. In den letzten Monaten ist so zum Beispiel das Bewustsein für Bioprodukte und den damit verbundenen höheren Preisen stark angestiegen. Den Kunden ist schon klar, dass billig auch tatsächlich billig in jeder Hinsicht ist.

    Zur Steuer: Also, ich für meinen Teil will Steuern zahlen, denn ich weiss, was damit alles finanziert wird. Ohne Steuner ist kein Staat zu machen. Über die Höhe und über die Komplexität des Lohnstuerjahresausgleichsformulars kann man aber diskutieren…

  5. Den Käufern von Bio-Produkten ist es doch völlig wumpe ob der Bio-Bauer von seinen Erzeugnissen leben kann oder nicht. Es geht ihnen in erster Linie um ihr persönliches Wohlergehen.

    Wer sich Gedanken darum macht ob die Erzeuger von ihren Produkten auch leben können, kauft Fair-Trade-Produkte. Die fristen aber seit jahrzehnten ein extremes Nischendasein.

    Wie kommt man eigentlich auf das dünne Brett das Firmen die Niedriglöhne bezahlen automatisch Gewinne machen? Nehmen wir mal die Bauindustrie. Niedriglöhne sind da an der Tagesordnung. Genauso wie Insolvenzen und Firmenpleiten.
    Oder die ganze Transportbranche. Mit 9,80 Euro gehört man da eher zu den Besserverdienenden. Troztzdem können die meisten Speditionen, nicht zuletzt aufgrund der ständig steigendne Kraftstoffpreise, von Gewinnen nur träumen.

    Unternehmen die tatsächlich Gewinne machen, kann man gerne dazu verdonnern auch höhere Löhne zu bezaheln. Aber was sollen denn die ganzen kleinen Unternehmen machen die so gerade eben über die Runden kommen. Sich Geld und lukrative Aufträge aus den Rippen schneiden? Mindestlöhne betreffen schließlich nicht nur große Konzerne wie PIN oder TNT, sondern auch etliche kleine Unternehmen mit 4-5 Angestellten. Hier seien einfach mal die vielen Fahrradkuriere genannt. Drück denen doch mal nen Stundenlohn von 9.80 Euro aufs Auge. Die werden sich freuen …

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren