Ketzerische Gedanken zum WordPress-Magazin

Angestoßen durch eine Diskussion auf dem WordCamp 08 in Hamburg schwelt seit einigen Tagen in der Blogsphäre eine Diskussion, ob WordPress ein Magazin braucht und wenn ja, was denn überhaupt darunter zu verstehen sei.

Um für mich selber einen vertretbaren Standpunkt zu finden, habe ich mir die Mühe gemacht , die bisherigen Beiträge auszudrucken und in aller Ruhe zu lesen – quasi eine Entschleunigung der Diskussion. Herausgekommen ist dabei zunächst einmal eine Menge Papier, das sich unmöglich in nur einer Zugfahrt lesen lässt. Herausgekommen ist auch eine Menge unnötiges Papier aus dem Drucker, den bislang haben nur Frank und Gerrit eine saubere CSS-Datei für den Druck (gab es dazu nicht sogar einen Vortrag auf dem WordCamp, wo nur müde gelächelt wurde angesichts solch einer Selbstverständlichkeit?). Aber ich will mich nicht beschweren, den so bin ich zumindest an eine Menge Schmierpapier gekommen.

In Bezug auf ein WordPress-Magazin gibt es unbestreitbar eine Menge Fragen – viele davon sind schon in anderen Beiträgen aufgeworfen worden. Streitthemen sind unter anderen die Notwendigkeit eines Magazins, die Art und Weise, wie die Artikel zustand kommen und in welcher Sprache das Magazin erscheinen soll. Eine große Angst besteht anscheinend, dass ein Magazin zu WordPress, sollte es denn eins geben, bestehende Angebot wie das bekannte deutsche WordPress-Forum verdrängen würde – lassen wir mal außer Acht, dass ein Magazin und ein Forum zwei völlig verschiedene Dinge sind.

Alles dreht sich um die Motivation

Mir persönlich fehlt bei der gesamten bisherigen Diskussion die Betrachtung einiger wesentlicher Punkte, auf die ich im Folgenden eingehen möchte. Dabei sind das nur Gedanken von mir, für die ich keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit oder Vollständigkeit erheben möchte. Eher soll es die bisherige Diskussion weiter anregen und dazu verleiten, auch in etwas dunklere Ecken zu Schauen und zu sehen, was dort noch an Problemen lauert.

In Bezug auf ein WordPress-Magazin stellt sich für mich vor allem anderen die Frage nach der Motivation. Was treibt Menschen dazu an, ein solches Magazin auf die Beine zu stellen? Bevor nicht deutlich gemacht wird, wer sich aus welchen Gründen für ein Magazin ausspricht, erübrigt sich jegliche weitere Diskussion – zumindest dann, wenn das Magazin etwas sein soll, was von vielen Schultern getragen wird. Transparenz wäre das Stichwort, mit dem sich einfordern lassen könnte, offen über die Motivation zu sprechen.

Wagen wir an dieser Stelle einen Anfang. Wir alle wissen, dass ein Tag nur 24 Stunden hat. Bei den wohl nicht wenigen WordPress-Aktiven, die mehr als nur Anwendern sind, dürften die Beschäftigung mit WordPress bereits einen Teil ihrer Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, zumindest würde ich das für meine Person so sehen, die in Bezug auf Support und die Entwicklung frei verfügbarer Plugins und Themes gerne und unentgeltlich der Comunity zur Verfügung gestellt wird. Die Bedingung dabei ist, dass dieses Zeitkontingent in einem gewissen Rahmen bleibt – schließlich gibt es neben WordPress noch ein leben dort draußen. Ein Leben, in dem beruf und Familie auch ihren Platz haben und ihrerseits Zeit einfordern.

Genau genau genommen ist WordPress bei mir eine Art Liebhaberei , obwohl ich WordPress auch aus einer beruflichen Perspektive betrachte und es auch in Kundenprojekten, in denen es sich anbietet, einsetze. Mit (Support zu) WordPress verdienen ich jedoch kein Geld. Glücklicherweise muss ich das auch nicht. Es würde vermutlich auch nicht mehr der selbe Umgang sein, wen ich auf WordPress egal in welcher Form angewiesen wäre. Es ist für mich ein CMS. Zwar eins, dass in gewissen Punkten herausragt, aber nur eben nur ein CMS unter vielen anderen und ganz bestimmt keine Religion.

Fassen wir zusammen: Meine derzeitige Motivation in Bezug auf WordPress ist, aus Freude an der Sache anderen unentgeltlich zu helfen, solange es in einem vertretbaren zeitlichen Rahmen bleibt.

Lohnt sich ein WordPress Magazin?

Wie sieht es aber aus mit der Motivation der anderen, die sich derzeit an der Diskussion beteiligen? Bevor jetzt jemand voreilig antwortet: Mir ist keiner Rechenschaft schuldig. Uns allen als erwachsen Menschen sollte aber klar sein, dass ein WordPress-Magazin nicht wie Manna vom Himmel fällt. Es wird viel Arbeit, Schweiß und Tränen kosten. Vor allem aber auch Zeit. Jedem, der sich an der Erstellung eines Magazins beteiligt, sollte sich darüber klar werden, woher er diese Zeit nehmen wird. Oder anders gesagt: eine persönliche Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen. Den Lesern eines solchen Magazins sollte zudem bewusst sein, was an Arbeit hinter einem WordPress-Magazin steckt.

Das ein WordPress-Magazin eine Bereicherung wäre, steht zumindest für mich außer Frage. Auf einem ganz anderen Blatt steht aber, ob sich ein solches Magazin für „die Macher lohnen” wird. Abhängig ist dies vor allem von den Erwartungen, von der Motivation. Niemand lebt von Luft und Liebe allein – machen wir uns da nichts vor. Je nach noch zu diskutierender Ausgestaltung eines WordPress-Magazins geht es unvermeidlich auch um Geld. Sicher lassen sich Sponsoren finden, die für Betriebskosten (Stichwort Webserver) aufkommen. Aber was ist mit dem Rest? Und für wie lange reicht die Motivation von Autoren, wenn sie kostenlos qualifizierten Input zur Verfügung stellen sollen / wollen? Zu einem tragbaren Konzept für ein Magazin gehört daher zwangsläufig auch der Aspekt der Finanzierung.

Inhalte, wir brauchen Inhalte!

Ein WordPress-Magazin wird zu großen Teilen von seinen Inhalten leben. Unbestritten dürfte sein, dass die Qualität der Inhalte ein wesentlicher Faktor in Bezug auf die Leserbindung ist. Wie aber würden qualitative Inhalte in das Magazin kommen? Eine rein technische Lösung verträgt sich nicht mit dem Qualitätsgedanken, ebenso wenig wie eine Gewichtung innerhalb einer Aggregation über einen wie auch immer gearteten Algorithmus oder über ein Ranking. Qualität lässt sich nun mal nicht gleichsetzen mit Quantität! Polemisch formuliert: Wäre es anders, müsste BILD auf Grund seiner Leserzahlen die qualitativ beste deutsche Tageszeitung sein.

Wäre demzufolge eine redaktionell betreute Aggregation eine Lösung, vielleicht sogar mit manueller Zusammenfassung von ausgewählten Artikeln? Ganz offen: nein. Aus meiner Sicht sprechen mehrere Gründe dagegen. Auch eine halbautomatische Aggregation bleibt immer noch eine technische Lösung, um qualitative Inhalte zu generieren. Dabei ist „generieren” jedoch der falsche Begriff, den die Artikel werden nicht generiert, sondern abgegriffen. Genau das ist das Problem. Die Artikel werden primär nicht für das Magazin geschrieben, sondern für eine andere Seite / einen anderen Blog.

Diese fehlende Exclusivität stellt den Mehrwert eines Magazins in Frage. Warum etwas in einem Magazin lesen, wenn ich es auch woanders bekomme? Gut, es mag sein, dass es für den Leser bequemer wäre, einen Feed zum Thema WordPress zu abonnieren statt viele. Auf der anderen Seite aber stehen die Autoren der Artikel. Wo liegt ihr Mehrwert? Das ihre Artikel auf einer größeren Plattform verbreitet werden? Welchen Wert hat der eigenen Blog noch, in dem der Artikel ursprünglich zu lesen war? Dabei ist nicht nur die Frage nach Double Content und eine schlechtere Positionierung in den Suchmaschinen relevant, sondern viel mehr wiedermal der finanzielle Aspekt.

Monetäre Motivation ist doch nicht alles?

Dazu ein kleines Gedankenspiel. Wenn ich als Blogbetreiber durch meine Artikel x Besucher im Monat habe und dadurch y Euro an Werbeeinnahmen generiere, wie fände ich es , wenn ich durch die Einbindung meiner Artikel im WordPress-Magazin z weniger Besucher im Monat habe und dadurch meine Einnahmen sinken? Einen Schritt weiter: Was wäre, wenn auch das WordPress-Magazin Werbung schaltet? Wem steht dann ein Stück vom Kuchen zu?

Wiederum gelange wir an dieser Stelle an den Punkt, wo der Profit im Raum steht – verbunden mit der Motivation. Was würde einen Blogautor dazu anspornen, weiterhin hochwertige Artikel zu schreiben, wenn ihm daraus auch noch ein finanzieller Schaden entsteht?
Fassen wir den bisherigen Gedankengang zusammen. Einen echter Mehrwert hätte ein WordPress-Magazin dann, wenn es primär qualitativ hochwertige, exclusive Artikel bringen würde. Diese Artikel müsste von Autoren stammen, die einer noch zu diskutierenden Form von der Zurverfügungstellung ihrer Artikel profitieren würden. Betreut werden müsste ein Magazin meiner Meinung von einer Redaktion, die auch über die Auswahl der Artikel entscheidet.

Es ist vermutlich nicht mal notwendig, zwischen den Zeilen zu lesen um zu erkennen, dass ich mich ganz klar für ein kommerzielles WordPress-Magazin ausspreche. So. Damit wäre es spätestens jetzt also noch mal ganz deutlich gesagt und das „böse Gespenst” ist jetzt aus der Kiste. Damit mich niemand falsch versteht: ich habe weder was gegen Open Source noch gegen ehrenamtliche, unbezahlte Arbeit noch bin ich sonst in irgendeiner Form verdächtig, zu den Vorreiten eines neoliberalen Kapitalismus zu gehören (ich weiß nicht, warum ich das jetzt extra betonen muss, aber sicher ist sicher).

Genauso wenig glaube ich blauäugig daran, dass alles grundsätzlich kostenlos zu haben sei. Alles hat seinen Preis – es kommt immer nur darauf an, wer ihn zahlt bzw. zahlen muss. In gewissen Grenzen lässt sich Arbeit auch ohne monetäre Entlohnung zur Verfügung stellen. Irgendwann ist aber der Punkt erreicht, wo Geld zwangsläufig ins Spiel kommt.

(K)ein Konzept für ein WordPress-Magazin

Einleitend habe ich bereits gesagt, dass ich keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit erhebe. Die vorgebrachten Punkte sind sicher unbequem und laden geradezu dazu ein, mit dem Hammer (aber bitte nur den kleinen aus der Spielwarenabteilung) auf mich einzuschlagen. Einen Masterplan für ein WordPress-Magazin habe auch ich nicht vorzuweisen. Ich gebe lediglich zu bedenken, dass es möglicherweise eine passable Strategie wäre, ein kommerzielles WordPress-Magazin ins Auge zu fasen. Natürlich kann und soll es nicht dazu gedacht sein, dass sich die daran Beteiligten von dem grandiosen Gewinn irgendwo auf eine karibische Insel zurück ziehen können, oder mit einer Rolex an jedem Arm offen mit dem Porsche durch Hamburg fahren können (was gerade im Januar auch derzeit viel zu kalt wäre).

Wer sich aber umschaut, der kann feststellen, dass es einen nicht mal kleinen Markt für Informationen rund um WordPress gibt – was sich auch mit einem Blick in eine handelsübliche Buchhandlung bestätigen lässt. Auch wenn es etwas gewagt erscheint, wage ich mal einen Vergleich: es gibt ein alle zwei Monate erscheinendes Printmagazin, dass sich mit Typo3 beschäftigt. Sollte es da nicht möglich sein, etwas vergleichbares online auf die Beine zu stellen? Ich denke schon.

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