Eine Lanze für Pendler

Es kommt nicht selten vor, dass ich im Gespräch mit Menschen eine ungläubigen Gesichtsausdruck ernte, wenn ich erwähne, dass ich täglich von Bielefeld nach Essen zu Arbeit pendle. Nicht wenige können sich so was nicht vorstellen. Meiner Meinung nach ist es dagegen etwas, an dass man sich sehr gut gewöhnen kann.

Das tägliches Pendeln über Strecken von 100km oder mehr keine Seltenheit ist, erlebe ich immer wieder. Eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen fährt zusammen mit mir Woche für Woche die gleiche Strecke durch Nordrhein-Westfalen. Manche sogar über Landesgrenzen hinaus, was bei Feiertagen, die nicht bundesweit gelten, schon mal unschön sein kann.

Bei meiner Verkehrsmittelanbindung gehöre ich schon zu den privilegierten Pendlern, da ich nur ein kurzes Stück mit der Stadtbahn in Bielfeld und Essen fahren, die gut getaktet sind. Den Rest der Strecke kann ich in einem Rutsch mit dem ICE fahren. Andere kommen mit dem Auto oder mit einer Bummelbahn aus dem Umland zum Bielfelder Hauptbahnhof.

Wer immer auch davon schwätzt, dass deutsche Arbeitnehmer nicht flexible seien, der kennt die Wirklichkeit nicht. Die Fahrt zum Arbeitsplatz schreibt Biographie, die manchmal wirklich erstaunlich sind.

Gestern auf der Rückfahrt hatte ich mich mit einem Mann unterhalten, der in Essen arbeitet, in Dortmund wohnt und jedes Wochenende zu seiner Frau nach Bremen fährt – schon seit einigen Jahren. Ein von den täglichen Pendlern, die in Bielefeld zusteigen und nach Essen fahren, wohnt in Bünde (Ostwestfalen). Früher einmal hat er in Bielfeld gearbeitet. Als dann die Firma, eine Bank, den Standort schloss, gab es im Grunde keine andere Wahlmöglichkeit für ihn, als die tägliche Strecke auf sich zu nehmen. Mit 50 Jahren hätte er woanders keine Stelle bekommen, ein Umzug kam auch nicht in Frag, da er in Bünde Frau, Kinder und ein Haus hat.

Von diesen Geschichten gibt es viele, sehr viele.

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