Eingeschränkte Nutzung

Eingeschränkte Nutzung

Gestern wurden der jüdischen Gemeinde, welche die Paul-Gerhardt-Kirche erworben hatte, die Schlüssel zum Gebäude überreicht. Damit dürfte nun endgültig das Scheitern der Bürgerinitiative zum Erhalt der Kirche feststehen. Die neuen Eigentümer machten auch direkt deutlich, was sie von den bisherigen Nutzungsvereinbarungen halten.

Im Gegensatz zur Zusage, die noch mit der Neustädter Gemeinde unter dem so genannten Pfarrer Menzel geschlossen wurde, kann das Gebäude nicht uneingeschränkt für Andachten und andere Veranstaltungen durch die Bürgerinitiative bis zum 12. September genutzt werden. An zwei Tagen in der Woche (Freitag und Samstag) ist eine Nutzung des Gebäudes auf Grund der Sabbatruhe nicht erwünscht.

Selbst auf die Gefahr hin als Antisemit deklariert zu werden, nur weil ich ein paar unbequeme Gedanken ins Spiel bringen: Wie wird das eigentlich nach dem Stichtag aussehen? Wird sich die jüdische Gemeinde in und um ihr Gebäude herum an die christliche Sonntagsruhe halten? Auch sei es erlaubt zu fragen, was passiert, wenn sich jemand auf Grund von Ruhestörungen beschwert. Vielleicht vorweg noch eine Information für diejenigen, die nicht vor Ort wohnen: Der bisherige christliche Eigentümer hatte keine Hemmungen, den Gemeindesaal der Kirche zu vermieten. Des öfteren fanden an Wochenenden Hochzeitsfeiern und andere Veranstaltungen statt, die mit lauter Musik bis tief in die Nacht gingen – sehr zum Ärger der Anwohner, von denen einige wohl dann auch die Polizei anriefen bzw. sich beim Ordnungsamt beschweren.

Zurück aber zur eigentlichen Frage. Wenn es jetzt innerhalb der Ruhezeiten laut wird, wird, traut sich dann überhaupt noch jemand, sich zu beschweren? Nach der Last, die auf dem gesamten Verkauf der Kirche liegt, nach den ganzen Streitigkeiten und sehr unschönen, ja sogar Ehrabschneidenden Vorwürfen ist doch zu erwarten, dass jeder Bürger, der sich beschwert, automatisch als Antisemit gilt, da er ja „gegen die Juden” ist.

Vielleicht aber kommt es auch ganz anders und es wird in der Nachbarschaft wesentlich ruhiger. Mit Sicherheit dürfte sich aber die Nutzung des Parkplatzes neben der Kirche verändern, was sich unter Umständen positiv auf da nachbarschaftliche Umfeld auswirken würde.

Frei nach Maria Montesouri würde die jüdische Gemeinde nicht schlecht damit fahren, die Menschen in der Nachbarschaft dort abzuholen, wo sie gerade stehen, also sie zur Einweihung der künftigen Synagoge einladen. Damit könnte Missverständnissen im Vorfeld entgegengewirkt und Vorurteile abgebaut werden. Es würde zudem helfen, die durch den Streitigkeiten rund um den Verkauf entstanden Wunden verheilen zu lassen.

Voraussetzung ist dabei natürlich, dass die Anwohner bereit sind, sich auf die Integration der jüdischen Gemeinde in die Nachbarschaft einzulassen.

6 Replies to “Eingeschränkte Nutzung”

  1. Hm, also ich habe mich noch nie über das Glockengeläut beschwert, obwohl das wirklich nicht sein müsste.

    Der „so genannte“ Pfarrer Menzel? Klingt nach Amtsanmaßung. Ob das sorichtig ist?

    Christliche Sonntagsruhe? Was fällt denn darunter? Und: Welcher Christ hält sich denn daran?

    Ich wüsste zudem nicht, dass Juden so laut zum Gebet rufen, wie Christen oder Muslime. Und andere laute Elemente der Synagogennutzung fallen mir da auch nicht ein.

    Die Nachbarschaft einladen, die wochenlang den Ort besetzt hält, der von der jüdischen Gemeinde rechtmäßig erworben wurde und mit deren Religion man nichts am Hut hat? Mutiger Vorschlag gegenüber Leuten, deren Religion einen etwas anderen Stellenwert hat, als bei den meisten Christen!

  2. „Die Nachbarschaft einladen, die wochenlang den Ort besetzt hält, der von der jüdischen Gemeinde rechtmäßig erworben wurde“

    Genau da sind wir wieder bei einem Kernproblem. Meinungsäußerungen auf Grund von Halbwissen. Die Bürgerinitiative hat die Kirche besetzt, bevor das Gebäude an die jüdische Gemeinde verkauft wurde, um den Verkauf, egal an wen, generell zu verhindern. Der Verkauf wurde gegen den Willen der christlichen Gemeinde betrieben, nur so mal als Erinnerung. Noch vor dem Verkauf haben die Besetzer das Gebäude geräumt, nach dem der Verkauf unabwendbar geworden war.

    Zudem: Es ist unbestritten, dass di ejüdischen Gemeinde, bzw. Teile der jüdischen Gemeinde das Gebäude rechtmäßig erworben haben. Die Frage ist jeodch, ober der Verkauf an sich rechtens war oder nicht.

  3. „Voraussetzung ist dabei natürlich, dass die Anwohner bereit sind, sich auf die Integration der jüdischen Gemeinde in die Nachbarschaft einzulassen.“
    Das steht doch wohl außer Frage?! Es wäre wohl nicht hinnehmbar, wenn nun die jüdische Gemeinde stellvertretend für einen Teil der christlichen Gemeindeleitung angefeindet würde.
    Vielmehr kann die Nachbarschaft und der Kreis der Besetzer nun zeigen, dass sie die wahren ChristInnen sind, und ihrerseits auf die jüdische Gemeinde zugehen. So entsteht dort vielleicht eine Gemeinschaft von ChristInnen und JüdInnen, die der „Amtskirche“ den Spiegel vorhalten kann.

    By the way: selbstverständlich halten sich Menschen jüdischen Glaubens an die Sonntagsruhe. Genau wie sie sich wie alle hier lebenden Menschen an die sonstigen Gesetze halten. Es handelt sich – zur Erinnerung – an eine Glaubensgemeinschaft und keinen Separatstaat o.ä.
    Und selbstverständlich finden christliche Gemeindefeste oft an Sonntagen statt.

  4. Dass an die jüdische Gemeinde verkauft werden sollte, war aber schon bekannt, als die Besetzer in die Kirche einzogen, oder? Und dass die Besetzer eine Immobilie besetzt hielten, die an die jüdische Gemeinde verkauft werden sollte, war den Besetzern auch bekannt, oder irre ich mich da?

  5. @Matthias: so what? Das soll alos heißen, das jegliche Form der Meinungsäußerung damit dann nicht merh legitim ist? Wenn ich also sage, dass im Nahen Osten Palästinenser unterdrückt und verfolgt werden, bin ich automatisch ein Antisemit, der Logik von dir folgend, da die Unterdrücker Menschen mit jüdischem Glauben sind.

    Noch mal: Die so genannten Besetzer wolten sich gegen den Verkauf insgesamt wehren, da er auch nach meiner Meinung, nicht legitim ist.

    Um dir ein besseres Bild von der Sache zu machen, kannst du gerne dem Tag Paul-Gerhardt-Kirche folgen und den Zusammenhang noch mal nachlesen.

  6. Thomas, ich kann mich nicht erinnern, Dir Antisemitismus vorgeworfen zu haben. Wo habe ich das Deiner Meinung nach gemacht?

    Was mich stört ist dieses mit dem Finger drauf zeigen, á la: „Papa lässt mich nicht mehr im Sandkasten spielen, weil der jetzt anderen gehört. Ich will aber meinen Sandkasten wiederhaben! Und wenn ich den nicht wiederhaben kann, dürfen die anderen da auch nicht jaut drin spielen und müssen mich wenigstens einmal noch mitspielen lassen!“

    Oder was meintest Du mit der Sonntagsruhe und ob die neuen Besitzer die einhalten? Oder dem nachbarschaftlichen Antrittsbesuch, zu dem die jüdische Gemeinde einladen sollte, um Wunden heilen zu lassen (ihre oder die der Paul-Gerhard-Gemeinde?)?

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren