Die Milchquote

Die Milchquote

Aus deutschem Lande frisch auf den Tisch flattert nicht nur die Tageszeitung, sondern mit dieser auch die Meldung, dass in den nächsten tagen die Preis für Milchprodukte rapide ansteigen werden. Um bis zu 50 Prozent, so ist zu lesen. Macht doch nichts, mag so mancher denken, ich trinke eh keine Milch. Nun, aber diese ist in sehr sehr vielen Produkten enthalten. Nicht nur in so nahe liegenden Sachen wie den von vielen Blogger als Lebenssaft angesehenen Cappuccino. Nicht nur ein Gerücht ist es dabei, das sogar in Milch noch wirklich Milch enthalten ist (bei der in Mode gekommenen Lebensmittelpanscherei war man sich zuletzt nicht mehr sicher, ob nicht der Hauptbestandteil von Milch nur Wasser ist).

Abwegig dagegen dürfte die Vermutung sein, dass Computerbildschirme derzeit auch deshalb wieder teuerer werden, weil in den Geräten auch Milch enthalten ist. Die Milch macht‘s zwar, aber nicht in der Elektronik.

Dem Verbraucher helfen solche Spekulationen nicht wirklich. Er sieht nur, das wieder einmal die Preise steigen, ohne dass er mehr Gehalt bekommen würde. Kapitalismus ist halt etwas, was gerade von Heuschrecken mit der Muttermilch aufgesogen wird.

Allerdings gelten die regeln des Marktes nicht bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie der Milch. Hier bestimmt nämlich nicht das freie Spiel von Angebot und Nachfrage den Preis. Die Bauern hierzulande könnten deutlich mehr Milch liefern und die Nachfrage sättigen, wenn sie denn dürften. Für sie gilt aber Milchquote, bei deren Überschreitung sie Strafe zahlen müssen, denn die Preise für Milch sind ebenso wie die zu liefernde Menge per EU-Verordnung geregelt.

Eine nicht unwesentliche Menge an Subventionen fließt jährliche europaweit in die Landwirtschaft. So war die berühmte Butter aus dem Angebot von früher bereits mehrfach durch die Verbrauer bezahlt worden. Riesige Butterberge und Milchseen verschlangen Steuergelder. Dieser ganze wahnwitzige Vorrat soll nun aufgebraucht sein, was mit als Grund für die Preiserhöhung angegeben wird.

Etwas ist faul in Europa, würde Hamlet sagen. Die Bauern sind es allerdings nicht, denn wie auch zu lesen ist, reicht das, was sie für die Milch ihrer Kühe bekommen, gerade mal zum überleben.

4 Replies to “Die Milchquote”

  1. ach… Milch ist mE überbewertet….

    Gibt doch noch genug verstrahlte Molke seit Chernobyl, die man günstig verwerten kann…. muss ja nicht alles der Müller machen! ;)

    JBJ

  2. Es wäre alles nicht so schlimm, wenn das Geld denn auch mal bei den unterbezahlten deutschen Bauern mal ankommen würde. Leider bleiben diese Erhöhungen vollständig beim Handel stecken, denn dieser ist auch der Hauptakteur in dieser Schmierenkomödie!

  3. Mich fragt, was kommt eigentlich von der Preiserhöhung bei den Kühen an, die man für die Milch angezapft hat. Bekommen die jetzt bessere Lebensbedingungen, oder freuen sich lediglich die Molkereien einen Ast ab, dass die Einführung der Pizza in China das Geschäft des Jahrhunderts wird?

    Erinnert mich an die Entwicklung beim Holz. Vor ein paar Jahren wurde überall die höchst ökologische (?) Holzheizung angepriesen. Zudem preiswert, weil der Holzpreis absolut im Keller war. Heute kauft Japan fast alles auf, was nach Holz aussieht, besonders gerne in Deutschland, weil es da noch günstiger ist, als anderswo in Europa. Also steigt der Holzpreis und erste Befürchtungen werden laut, dass die heimischen Wälder unverhältnismäßig ausgeforstet werden.

    Mit dem Öl und dem steigenden Bedarf in China, Russland und anderen Staaten, wo ja unbedingt vom Fahrrad auf das Auto umgesattelt werden muss, koste es was es wolle… There are nine million bicycles in Beijing, trallalla…

    Ich bin gespannt, was als nächstes teurer wird…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren