Herr Boley war im Kino

Der Herr Boley und seine Frau waren also mal wieder im Kino. Zugegeben, es kommt in letzter Zeit etwas weniger häufig vor, das wir Lichtspielhäuser aufsuchen. Das hat mehrere, vielleicht sogar nachvollziehbare Gründe. So mag ich es zum Beispiel nicht, wenn jemand neben mir schmatzend eine Super-size-me Portion Popkorn verschlingt. Auch hasse ich es, wenn jemand meint, das sich im Kino ohne Probleme während des Films telefonieren lässt – weiß eigentlich jemand, wie weit ein Mobilfunktelefon in den Rachen hineinpasst, oder ist das abhängig vom Typ und Hersteller?

Zu den wohl eher persönlichen Problemen des Herrn Boley gehört es, dass er garantiert etwa in der Mitte des Films ganz dringend auf Klo muss. Nicht weil der Film so schlecht ist, sondern weil seine Blase sich meldet:

„Hallo! Ich muss mal!”
„Aber du warst doch vor dem Film.”
„Ich muss jetzt aber wieder! ”
„Kann das nicht noch warten? Der Film ist gerade so spannend!”
„Ich mach dir gleich in die Hose…”

Das Drama lässt sich nur verhindern, wenn ich mehre Stunden vor dem Kino nichts mehr trinke und mich in etwa wie jemand fühle wie jemand, der gerade im Alleingang und ohne Wasser die Sahara durchquert hat. Mir bleibt es ein Rätsel, wie manche Menschen im Kino einen Becher mit einem Liter Cola leeren können, ohne auf Klo zu müssen. Das sie das ganz schlürfend machen, brauch ich nicht mehr extra zu erwähnen, oder?

Trotz dieser bereits erwähnten Risikofaktoren, gibt es aber Filme, die der Herr Boley und seine Frau unbedingt im Kino gesehen haben müssen. Filme, bei denen wir kurzzeitig die Rüpel im Sitz nebenan vergessen. Aus den bisherigen Beschreibung könnte ein Kenner der Szene bereits Rückschlüsse auf die Sorte Filme ziehen, die DER CHEF und ich gerne sehen. Bestimmte Faktoren schließen aus, dass es sich um anspruchsvolles Material handelt, welches nur in handverlesenen Programmkinos zu sehen ist (lasen wir mal dabei außer acht, das dort ein ganz andere Typus von nervenden Sitznachbarn vorhanden ist).

Um es etwas abzukürzen: WIr stehen auf Filme, die einfach nur unterhalten wollen. Die keinerlei Anspruch haben als den, mit einem Feuerwerk aus Effekten den Zuschauer außer Atem zu halten. Anspruchsvolle Dialoge stören dabei nur ebenso wie eine glaubwürdige Handlung. Allenfalls wirklich witzige Sprüche sind als Beiwerk erlaubt. Zu dieser Sorte gehört auf jeden Fall Die Hard 4.0. Von einem gewissen Standpunkt, nämlich meinen, aus betrachtet, ein durchaus großartiger Film. Es knallt, kracht und ab und zu gibt John McClane (gespielt vom doch etwas in die Jahre gekommenen Bruce Willis) einen coolen Spruch von sich, der auch nach der deutschen Synchronisierung noch witzig ist.

Die Story selber kann getrost vernachlässigt werden. Es geht, wie immer, darum, dass eine Terroristen-Azubi, der bedrohlich wirken möchte, sich auf einen Kampf gegen John McClane einlässt. Auf dem Weg zum Boss räumt McClane einen Handlanger nach dem anderen aus dem Weg, um nebenbei auch noch seine Tochter –Papa, es sind nur noch fünf! – zu befreien.

Das Einzige, was sich im vierten Teil geändert hat, ist, das diesmal nicht ein Hochhaus oder Flughafen gerettet wird, sondern ganz unbescheiden ganz Amerika. Aber wir wollten ja nicht über die Story sprechen. Wer seinen Kopf zu Hause lassen kann, wird auf jeden Fall vom Film gut unterhalten werden.

Nur eine kleine Warnung zum Schluss: Die Konfliktlösungsstrategien von McClane sollen keinesfalls an nervenden Kinobesuchern ausprobiert werden – auch wenn einem danach ist.

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