Bildung für lau

Bildung für lau

Zum sechsten Mal in Folge gibt es beim Bafög eine Nullrunde. Wobei das genau genommen auch in diesem Jahr auch wieder keine Nullrunde ist, sondern eine Kürzung, da es keinen Inflationsausgleich oder eine Berücksichtigung der höheren Mehrwertsteuer gibt. Mit dieser Meldung könnte das Thema eigentlich abgeharkt sein und die Studierenden konnten zu den üblichen, aber leider vergebliche Protestreflexen zurückkehren – obwohl sich die schweigende Mehrheit wohl wieder mal ihrem Schicksal fügen wird, was in Deutschland mit ein Grund ist, warum gerade an Bildung so gerne gespart wird.

Das die „Nullrunde” für ein andauerndes sorgt, liegt an den Äußerungen der so genannten „Bildungsministerin” Annette Schavan, die neben der Kürzungsverkündigung auch noch versuchte, die Studierenden für dumm zu verkaufen. Ihren Aussagen zu Folge war das Bafög nie dazu gedacht, „die alleinige Grundlage für die gesamte Studienfinanzierung zu bilden”. Demnach sollen sie Studierende zur Finanzierung ihrer Ausbildung großzügig verschulden oder eben arbeiten gehen. Wobei letzteres, und das verschweigt Frau Schavan, die Studiendauer negativ beeinflusst und die Kosten für die Ausbildung ebenso wie das Alter der Absolventen weiter nach oben treiben wird.

Erwähnt sei noch, dass auf die Studierenden in den meisten Ländern auch noch die eingeführten Studiengebühren zukommen, die auch noch von irgendwas bezahlt werden wollen. Begründet wurde überings die rotze Nullrunde von der CDU-Politikern Schavan damit, dass die Sanierung des Bundeshaushaltes nun mal Vorrang vor einer Bafög-Erhöhung hätte. Ein guter Indikator dafür, welchen Stellenwert Bildung in diesem Land immer noch einnimmt. Angesichts solcher Äußerungen erübrigen sich auch jegliche Pisa-Diskussionen, denn eine Investitionen in die Zukunft ist von Seiten der Bundesregierung offensichtlich nicht erwünscht.

3 Replies to “Bildung für lau”

  1. Tjaja, die Geschichte mit dem Studium und seiner Finanzierung kommt ja mit ganz großen Schritten auf mich zu.

    Genauso, wie ich mir später mal keine Rente mehr vom Staat erhoffe, zähle ich nicht auf die Studienunterstützung vom Staat. Wenn ich was kriege, ist das in Ordnung. Wenn nicht, werd ich auch irgendwie studieren können.

    An den „Studiengebühren“ käst mich ganz gewaltig an, dass man jetzt schon anfängt, davon Heizkosten zu bezahlen. Das wird auf kurz oder lang darauf hinauslaufen, dass von den Studiengebühren die für den Universitätsbetrieb notwendigsten Dinge bezahlt werden. Dabei sollen Studengebühren doch dafür da sein, die Qualität der Universitäten zu verbessern. Nicht zu erhalten.

    Dass mich mein Studium Geld kostet (dass ich nicht habe) oder Zeit zum jobben (die ich auch nicht habe), da 500€ pro Semester), muss ich wohl so hinnehmen. Dass der Staat dank meiner 500€ den Bildungsetat noch weiter kürzen kann und wird, das stinkt mir.

  2. @Felix: Der entscheidenen Punkt aus meiner Sicht bei den Studiengebühren ist der, dass nur abkassiert, ohne das der Zahlende die Möglichkeiten hat, auf Entscheidungen Einfluss zu nehmen. Oder anderes herum: Auch mit Stuidiengebühren werden Professoren nach wie vor verbeamtet und nachweisliche Nieten können und werden nicht entlassen.

  3. Das mit dem BaföG ist so ne Sache. Ich habs selber bezogen, ehe ich mich vor einem Monat dazu entschlossen habe, mein Studium abzubrechen. Geld war da einer der vielen und vielleicht einer der ausschlaggebensten Gründe.
    Das man das BaföG in diesem Jahr wieder gleich lässt ist falsch, falscher als falsch! Nicht nur, dass bereits jetzt ein Rückgang der Studierwilligen zu messen ist (ich glaub 3% weniger trotz geburtenstarkem Jahrgang!), was an den in vielen Ländern eingeführten Studiengebühren liegt. Ich habe dank gewissen Vorteilen den Höchstsatz bezogen, der bei 585 Euro liegt. Davon geht weit über die Hälfte für Miete und LV weg, der Rest muss für Essen, Bücher und alle anderen Ausgaben reichen. Rechnen kann jeder selbst.
    Hätte man von den 10 Mrd Euro, die an Kürzungen für die Unternehmenssteuer geplant sind nur 500 Mio. für BaföG abgezweigt hätten sowohl Industrie, als auch die Absolventen davon mehr als genug profitiert… aber Kurzsichtigkeit und Klienteldenken ist in unserer Bundesrepublikanischen Politik ja grad in…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren