Ein Frage der Bestechung

Das mein Mac Book Pro demnächst wieder beim „Fachhändler” vor Ort repariert, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Entgegenkommen. Im Normalfall werden die mobilen Geräte nur noch eingeschickt (so zu sagen mit der Post aufgegeben). Das ist natürlich problematisch, da ich auf meinen Rechner nicht verzichten kann (und will).

Daher wäre es eigentlich fast schon selbstverständlich, dem Techniker für seine Bemühungen eine kleine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Auf der anderen Seite könnte das aber auch Bestechungsversuch ausgelegt werden, die gewährleisten soll, dass mein MacBook nicht nur repariert, sondern auch ordentlich repariert wird. Also nicht wie beim letzten Mal eine Schraube nicht richtig angezogen wird oder neue Kratzer am Gehäuse entstehen. Ich würde dem Techniker also dafür etwas geben, was aus meiner Sicht selbstverständlich ist.

Eine mögliche Lösung: Er bekommt nach der hoffentlich anständigen Reparatur etwas von mir (am besten etwas in die allgemeine Kaffeekasse). Dann sieht das wirklich eher wie ein Dankeschön statt wie eine Bestechung aus. Letztendlich bleibt es in der Gesamtsumme aber aus Kundensicht sehr armselig und mir fällt wieder diese hässliche Bezeichnung „Servicewüste Deutschland” ein. Warum muss ich dankbar sein für etwas, was eigentlich selbstverständlich sein soll? Oder anders: Natürlich sollt eich dankbar sein für eine aus meiner Sicht selbstverständliche Dache, aber muss ich diese Dankbarkeit auch materiell zum Ausdruck bringen?

Über den konkreten Einzelfall hinaus führt das zu einer nicht uninteressanten moralischen Frage, die sich ohne weiteres auch auf viel größere Selbstverständlichkeiten anwenden lässt. Müssen wir als Deutsche dankbar sein dafür, dass wir in einem Land leben, in dem es seit über 60 Jahren keinen Krieg mehr gegeben hat? Wie würde denn dann unsere Dankbarkeit aussehen? Wahrscheinlich nicht nur in der christlichen Religion gibt es Verhaltensanweisungen, mit der Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht werden soll.

Kommentar verfassen