Börsengang, kein Märchen

Es war einmal ein großer Computerhändler in Deutschland, der wollte unbedingt an die Börse – um jeden Preis, wie es oft so treffend heißt. Um sein hohes Ziel zu erreichen, ging ein Erlass an all sein umsatzstärksten Fialen raus, sich von einem ihrer festangestellten Mitarbeiter zu trennen. Diese sollten zwar nicht wie sonst in anderen Firmen zu solchen Anlässen üblich, entlassen, sondern irgendwo anders als Personal für eine neue Fiale eingesetzt werden.

Dem großen Computerhändler waren dabei die Konsequenzen seiner Entscheidung völlig egal, so lange sie nur dazu dienen würde, möglich schnell möglich viel Geld zu machen. Es kam, wie es kommen musste: Qualifizierte Mitarbeiter, die dem Druck nicht mehr standhalten konnten oder mit einem Umzug nicht einverstanden waren, verließen das Unternehmen. Ersetz wurden sie durch billiges, wenig erfahrenes Personal. Die Kunden wurden immer unzufrieden und begehrten auf. Sie suchten sich Alternativen und bestellten unter anderem direkt beim Hersteller der Rechner, die der Computerhändler verkaufte.

Kaum ein Jahr später hatten sich die Manager des Computerhändlers die Taschen so mit Geld vollgestopft, dass sie kaum noch gehen konnten. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Firma den Bach runterging, verließen sie mit ihrem vielen Geld das Unternehmen und freuten sich über ihren Gewinn.

Weniger freuen konnten sich die Mitarbeiter des Computerhändlers, die nicht nur durch den Zusammenbruch der Firma auf der Straße, sondern auch vor den Trümmern ihrer Existenz standen.

Im Märchen würde es jetzt ein glückliches Ende geben. Leider ist die Geschichte vom Computerhändler, der ganz groß rauskommen wollte, kein Märchen, sondern wird sich in den nächsten Wochen und Monaten so ereignen. Bei den betroffenen Mitarbeitern ist die Stimmung derzeit dermaßen im Keller, dass, überfordert durch die immer hektischer ablaufende interne Kommunikation unter den Kollegen, der Mailserver phasenweise zusammenbricht. Die emotionale Lage entspricht wohl der unter den Passagieren der Titanic nach dem verhängnisvollen Zusammenstoß mit dem Eisberg.

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