Spring doch!

Spring doch!

In diesen Tagen nehmen wir mit Erschrecken zur Kenntnis, wie weit die Verrohung der Gesellschaft schon vorangeschritten ist. Eine junge Frau in einer Extremsituation ihres Lebens, welches sie zu beenden gedenkt, steht auf dem Dach eines zwanzigstöckigen Hauses. Unten auf dem Vorplatz stehen Menschen, die sie anfeuern.

Unter anderem rufen sie

Spring doch endlich, uns wird langsam kalt

Zeitungsberichten zu Folge sollen es am Ende über Hundert gewesen sein, die in der Hoffnung auf einen spektakulären Abgang vor dem Rathaus in Lörrach verharrten. Der Polizei gelang es mit Hilfe psychologisch geschulter Kräfte, die Frau vom Selbstmord abzuhalten.

Während also die „ordentlichen Bürger” von Lörrach nichts taten, um den schaulustigen Mob zu stoppen, war es eine Gruppe von Obdachlosen, die Zivilcourage zeigten und die Menge aufforderten, zu verschwinden und die Frau in Ruhe zu lassen. Obdachlose? Sind das nicht die, die am Rande unserer Gesellschaft stehen?

So wie es aussieht, sind sie es, die uns den Spiegel vorhalten, die zwar keine Wohnung mehr haben, aber dafür noch Würde. Die, vielleicht sogar auf Grund ihrer eigenen Situation, Menschlichkeit besitzen, die anderen abhanden gekommen zu sein scheint.

Aber wie das so ist, erträgt es der „anständige” Bürger nicht, wenn ihm der Spiegel vor die Nase gehalten wird. Die Polizei berichtet davon, dass eine Gruppe Jugendlicher die Obdachlosen verprügelt hätte – vermutlich auch aus Frust darüber, dass sie um ihr „Vergnügen” gebracht worden sind.

Was folgte, war eine wilde Schlägerei, die erst durch den massiven Einsatz von Polizeikräften beendet werden konnte.

5 Replies to “Spring doch!”

  1. … ich hab´s ja schon oft genug angesprochen, Werte wie Anstand und Moral zählen kaum noch in unserem „Bürgertum“, jader ist nur auf sich und seinen kleinsten nächsten Vorteil bedacht, Weitsicht fehlt komplett und Respekt vor dem Leben, auch dem anderer, ist ein Fremdwort.
    Und es wird noch besser werden …

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren