Hoffnungsloser Fall

Hoffnungsloser Fall

Der Widerspruchsbescheid von der Agentur für Arbeit ging mir auch am Wochenende nicht aus dem Kopf. Auf drei Seiten wird nicht nur nüchternes Bürokratendeutsch ausgebreitet, sondern es fallen auch verletzende Begriffe. Begriffe, die zeigen, dass ich aus Sicht der Agentur (mit der ich zum Glück nichts mehr zu tun habe) ein hoffnungsloser Fall bin, für den es sich nicht mehr lohnt, Geld in die Hand zu nehmen.

Unumwunden heißt es daher, ich wäre nach der zweijährigen Maßnahme mit 37 Jahren einfach zu alt für den Arbeitsmarkt – eine Unverschämtheit, die wohl viele eher aus dem Mund von Firmenchefs erwarten würden. Auch spräche gegen mich, dass ich zum Zeitpunkt der Antragsstellung schon neun Monate arbeitslos gewesen sei. Resümee des Bescheids: nicht wirtschaftlich. Schließlich muss die Agentur sparen.

6 Replies to “Hoffnungsloser Fall”

  1. „Schließlich muss die Agentur sparen“ – und hätte deshalb lieber 28 Jahre Arbeitslosigkeit bezahlt!?? Das ist wirklich erschütternd. Wenn Unternehmen so denken – bitte. Aber eine politische Einrichtung? In Amerika (um mal einen positiven Aspekt dieses z.Z. doch sehr angegriffenen Patienten zu nennen) ist es durchaus normal, sich mit Mitte 40 noch einmal umzuorientieren, zu studieren; also seiner Biographie einen Bruch zu gönnen.

  2. Eigentlich solltest Du zu den Verantwortlichen für diesen Mist gehen (wenn es denn überhaupt einen gibt) und ihnen deinen Arbeitsvertrag auf den Tisch knallen.
    Natürlich wirst Du ein „Sehen Sie, es hat auch so geklappt“ zu hören bekommen.
    Natürlich kannst Du – der du ja jetzt nicht mehr „Bittsteller“ bist, denen einfach mal verklickern, dass Du den Job nicht dank sondern trotz ihrer Arbeit gefunden hast.

  3. Ohje… Wenn ich sowas lese, dann wird mir angst und bange. Mein Vater musste sich auch beim Arbeitsamt vorstellen, da sein Versuch sich selbstständig zu machen nach hinten losging. Wenn ich bedenke, dass er das stolze Alter von 48 erreicht hat, was werden die ihm wohl mitteilen?! Wahrscheinlich stellen sie ihm dann direkt den Totenschein aus. Es ist einfach traurig was zur Zeit los ist. Ich merke dies auch am eigenen Leib. Bin zwar momentan noch Student, jedoch seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem festen Arbeitsplatz (aus finanziellen Gründen). Mir persönlich wollte oder konnte man bislang auch nicht helfen eine passende Stelle zu bekommen. Mal sehen wie sich das noch weiter entwickelt.

  4. Ja, man könnte wirklich sagen, dass ich wieder Arbeit habe trotz Agentur. Ich kann mir gut vorstellen, kein Einzelfall zu sein. Immer häufiger stelle ich mir die Frage, welchem Zweck die Agentur für Arbeit überhaupt noch dient und ob ihre Aufgaben nicht von anderen Einrichtugenen Effizienter erledigt werden könnten.

  5. Schwarzmaler am Werk:
    Was regt ihr euch über die Agentur so auf?
    Ich war in der Hölle der Bürokraten einen Ring weiter: ich war HartzIV-ler!

    @Chris: „…und hätte deshalb lieber 28 Jahre Arbeitslosigkeit bezahlt!??…“ – nee, hätten sie nicht, nach einem Jahr folgt HartzIV, und das ist Nicht mehr Agentur für Arbeit… so wird man die Verantwortung auch los!

    JBJ

  6. Irgendwo müssen die 12 Milliarden ja auch herkommen, die sie den Arbeitgebern jetzt in den Arsch schieben wollen…tschuldigung…zur Senkung der Lohnnebenkosten einsetzen wollen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren