Deutsch beten

Deutsch beten

Das in einem Bielfelder Fitness-Studio den Zwang zur deutschen Sprache gibt, darüber wurde ja schon einiges geschrieben. Ach schieden sich da bereits die Geister an der Frag, ob oder ob nicht der Zwang gerechtfertigt sei. Nach wie vor vertrete ich immer noch den Standpunkt, dass es keinen Grund gibt, Menschen in ihrer Freizeit eine bestimmte Sprache aufzuzwingen.

Zu dem, was jemand in seiner Freizeit macht, gehört auch die Religionsausübung – zumindest solange, wie sie sich diese nicht gegen den Staat richtet und gegen geltendes Recht und vor allem den Geist des Grundgesetztes verstößt.

Genau an dieser Stelle aber wird es interessant. Wie lässt sich von Außen ein Verstoß feststellen? Die Antwort der CDU in Nordrhein-Westfalen darauf ist sehr einfach: der Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Thomas Kufen, fordert, dass künftig in Moscheen in NRW ausschließlich in deutscher Sprache gepredigt werden dürfe. Da hat die katholische Kirche ja noch mal Glück gehabt, dass die Liturgie nicht mehr wie früher auf Latein abgehalten wird. Wohlmöglich würden dann Priester wegen mangelnder Integrationsbereitschaft abgeschoben, so wie die CDU das gerne mit Imame machen würde.

Es mag zwar sein, dass durch Predigten auf Deutsch mehr Transparenz geschaffen wird und auch Verfassungsschützer mit weniger Schulbildung die Überwachung durchführen können, der richtige Weg ist es dennoch nicht. Wenig nachvollziehbar ist auch, dass das Vertrauen in die Muslime seit dem 09/11 kontinuierlich gesunken sein soll, denn das würde bedeutet, dass für die Tat pauschal alle in Deutschland lebenden Menschen mit islamischen Glauben unter Generalverdacht gestellt werden.

Integration ist keine Bürde, die einer alleine zu tragen hat. Auch das Land, in dem jemand beschlossen hat künftig zu leben, steht in der Pflicht. Es sollte nicht versuchen, Menschen ihrer Muttersprache zu berauben.

Ob es einen deutschen Islam geben wird oder geben kann, ist völlig unerheblich. Wichtig ist ausschließlich, dass alle in diesem Land wohnenden Menschen sich an die gemeinsamen Regeln und Gesetze halten, gemeinsam die für wichtig empfunden Werte leben und möglichst viel Verständnis füreinander aufbringen. Auch gilt für das Miteinander die Unschuldsvermutung: bis zum Beweis des Gegenteils ist vom guten Willen auszugehen. Daher verbietet es sich, Muslime generell als potentielle Gewalttäter und Selbstmordbomber zu betrachten.

Abschließend noch ein ketzerischer Einwurf zum darüber nachdenken. Wichtig ist doch nicht, in welcher Sprache jemand betet, sondern das er betet, an etwas glaubt, oder?

3 Replies to “Deutsch beten”

  1. Ketzerisch zurück:

    Es gibt eine schöne Passage in Frank Schätzings „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“; sinngemäss in etwa so:
    warum prügeln wir uns um Glauben, der sich teilweise nur in Nuancen unterscheidet, anstatt dass wir uns um WIRKLICHE Probleme kümmern?

    JBJ

  2. Naja, es ist natürlich nicht entscheidend, in welcher Sprache jemand betet; dass jemand betet, ist auch nicht entscheidend; entscheidend ist für mich die Haltung, in der jemand betet (oder auch nicht betet).

    Im Übrigen: das Deutsch in einer Muckibude würde ich gerne einmal der genaueren Betrachtung unterziehen. Ist „Uhhhh, arrghhh, uff, ächz, stöhn“ schon deutsch – oder noch türkisch oder schon türkisch oder doch schon noch bayrisch oder wie?

  3. Die Frage, was für eine Sprache Deutsche im Sportstudio sprechen, ist wirklich berechtigt. Ich habe mal gehört, an der VHS gibt es Kurse wie „Richtig Deutsch für Deutsche …

    ;-)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren