Egoistische Selbstmörder

In der Tendenz entsteht der Eindruck, dass es Selbstmördern mit ihrer Tat weniger um einen Schrei nach Aufmerksamkeit geht, sondern darum, der Gesellschaft zumindest einmal den Stinkefinger zu zeigen. Sicher, das hört sich jetzt hart und böse an, aber als Pendler drängt sich dieser Eindruck auf. Warum zum Teufel müssen die sich immer wieder im Herbst Bahnstrecken als Ort des Selbstmords aussuchen?

Das ist für Reisende ärgerlich, für Pendler mehr als das, denn bei ihnen macht es schon einen deutlichen Unterschied, ob sie mal eben zwei Stunden länger unterwegs sind – mit mehr Pech kann das sogar noch länger dauern. Am schlimmsten von allen aber trifft es die Lokführer, die mit den Selbstmörder den direktesten Kontakt haben. Die sie sehen, aber nicht oder nur zu spät handeln können.

Heute wurde in der Süddeutschen Zeitung von einem Fall eines Lokführers, der drei Mal mit erleben durfte, wie sich ein Mensch aus der Welt davonstiehlt. Das der Mann eine psychische Betreuung benötigt, ist nachvollziehbar.

Weniger nachvollziehbar ist, dass er für die Übernahme der Kosten seiner Behandlung und einer Kur auch noch vor Gericht streiten musste, da sein Arbeitgeber offensichtlich keinen Zusammenhang zwischen den Unfällen und der Notwendigkeit einer psychotherapeutischen Betreuung sah.

An diesen Lokführer denkend, erscheinen mir meine Unannehmlichkeiten von gestern Abend – Streckensperrung auf Grund eines Personenschadens – nicht mehr so schlimm. Ich war schließlich nur eine Stunde später als geplant zu Hause.

Was aber die Selbstmörder angeht, nun für die bringe ich, so enttäuschend das für manche sein mag, kein Verständnis auf. Sollen sie doch bitte zu Schlaftabletten greifen, wenn sie ihrem Leben ein Ende bereiten wollen. Das ist auch für die Menschen, die vor Ort die Teile einsammeln müssen, wesentlich angenehmer.

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