Menschliches Versagen

Auf der Transrapid-Teststrecke in Lathen starben am vergangenen Freitag 23 Menschen. Starben in einer Bahn, die bisher als sehr sicheres Verkehrsmittel angepriesen wurde. Sie starben nicht, weil ein Radreifen gebrochen war. Nicht, weil ein sich der Schienenkörper verzogen hatte oder weil es einen Signalfehler gegeben hatte.

Sie starben, so ist zu lesen, weil Menschen nicht aufgepasst haben, weil ein Werkstattwagen auf der Streck stand, der dort nicht hätte stehen dürfen. In der Leiststelle hat möglicherweise jemand am Bildschirm die Strecke nachlässig beobachtet. Ist das wirklich menschliches Versagen?

Oder ist es nicht so, dass wir Menschen nur allzu leicht dazu neigen, uns in Sicherheit zu wiegen und uns aus dem Glauben dran, dass nichts passieren wird, von der Nachlässigkeit verführen lassen?

Die genauen Umständen sind derzeit noch nicht klar. Trösten wird das aber die Angehörigen der Opfer, die Hinterbliebenen, zurück gebliebenen, die künftig auf die Lücken in ihrer Mitte starren müssen, die die Toten hinterlassen haben, nicht.

Ist der Zorn, der die Trauer begleitet, ein anderer, wenn es menschliches statt technisches Versagen war? Sicher, es geht bei den jetzt folgenden Untersuchungen um die Schuldfragen. Aber auch darum, wie künftig so ein Unfall verhindert werden kann. Ist es aber wirklich möglich, jedes Risiko auszuschließen? Ehr wird wohl wird es darum gehen, das Risiko zu minimieren, denn wirklich ausschließen lässt es sich nicht.

Minimieren des Risikos bedeutet dann, die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls zu senken und für den Fall das was passiert, die Anzahl der Opfer möglichst klein zu halten. Null Risiko gibt es nicht.

Ein Teil des menschlichen Versagens macht auch die Neigung aus, das verbleibende Risiko auszublenden. Alltags- und Betriebsblindheit, die zu Nachlässigkeit führen. Wir wiegen uns zu oft in falsche Sicherheit und sind dann erschrocken, wenn uns die Realität mit brutaler Gewalt daran erinnert, wie klein und hilflos wir wirklich sind.

In diesen Tagen bedürfen die Angehörigen unserer Anteilnahmen, bedürfen einer Hand, die sie aufrichtet, die sie stützt, eine Schulter, an der sie sich anlehnen können. Hier darf es kein menschliches Versagen geben, denn wo wir anderen unser Mitgefühl versagen, versagen wir auf ganzer Linien.

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