Es bricht der Brecht

Vermutlich würde sich Bertolt Brecht entschieden gegen seine Vereinnahmung durch Bundeskanzlerin Merkel wehren, wenn er es noch könnte. Bedauerlicherweise aber jährt sich am 14. August sein 50. Todestag, so dass er wohl oder übel hilflos seine Umdeutung über sich ergehen lassen muss.

Von Angela Merkel ist zu lesen lesen, dass sie Brecht eher als Freigeist sieht. Auf ihrer Webseite findet sich ein nicht unbedingt lesenswerter, aber bedenklicher Text zum Thema Brecht, der aus einem Interview der Bundeskanzlerin und Klaus Maria Brandauer mit der Zeitung Die Welt stammt.

Brecht brachte auf der Bühne jene Leute zum Sprechen, die im öffentlichen Raum gar keine Stimme hatten.

Die meisten von den haben wohl ihr Stimme bei einer Wahl abgegeben und werden jetzt übervorteilt und ausgenommen.

Es gibt noch weitere Zitatfundstellen, mit denen die Frau, die nicht wusste wo der Kongo liegt, sich wieder von ihrer besten Seite zeigt:

Ich bin Physikerin geworden, weil es unter den Bedingungen der DDR ein Beruf war, bei dem man sich nicht verbiegen musste. Man sollte im übrigen die Nähe vieler Physiker zur Kunst nicht unterschätzen, Einstein zum Beispiel war ein leidenschaftlicher Geiger.

Ein Brückenschlag von Merkel zu Einstein. Es soll in einigen Landeskliniken sogar Menschen geben, die sich für Einstein halten, aber das nur als kleine Böswilligkeit am Rande.

Wesentlich schlimmer ist wohl die wenig beachtete Tatsache, dass die Deutsche Bank die Aufführung der Dreigroschenoper finanziert. Ein Unternehmen, dass wie kein anderes in Deutschland zum Wahrzeichen eines hemmungslosen Kapitalismus geworden ist, macht einen auf Kunstmätze, damit das Bühnenstück eines bekennenden Kommunisten aufgeführt werden kann.

Hätte das Brecht gefallen? Ich denke nicht! Wenn es in den nächsten Tagen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof rumort, dann wird es wohl Brecht sein, der sich im Grabe dreht.

Schade, sehr schade ist auch, das sich ein von mir geschätzter Schauspieler und Regisseur wie Klaus Maria Brandauer dafür hergibt. Aber wie heißt es so schön passend in der Dreigroschenoper:

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.

Ein Satz, der diese Tage wieder mal aktueller denn je ist.

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