Empörungslyrik

Empörungslyrik

Schon seit ein paar Tagen brodelt es in der Blogspähre. Auslöser war diesmal nicht ein Streit über Urheberrechte, Job-Angebot bei Zeitungen oder vierwöchige Schmiergeldfahrten mit einem Opel, sondern ein Foto. Eigentlich ein völlig harmloses Foto, auf dem ein Mann und eine verschleierte Frau in einem Bus zu sehen waren – es ließ sich gut erkennen, dass sie nicht fotografiert werden wollten. Brisant wurde das Foto durch den Kontext, in den es gestellt wurde. Der Fotograf zeigte es in seinem Blog seinen braunen Freunden und freute sich daran, dass aus einem Funken Fremdenhass ein stattliches Feuer wurde. Immer höher schlugen die Flammen, da in den Kommentaren zum ursprünglichen Beitrag fleißig Öl nachgegossen wurde.

Lange habe ich überlegt, wie eine angemessene Reaktion darauf aussehen könnte. Die übliche Empörungslyrik des linken Lagers und die typischen Abwehrreflexe führen jedenfalls zu nichts:

In lustiger Runde sitzen A, B und C Blogger (die sich um den Abwasch kümmern dürfen) in der Gemeinschaftsküche von Kleinbloggersdorf. Während bisher der überwiegende Teil von ihnen davon überzeugt gewesen war, in einer Kommune zu leben, klingelt plötzlich der ungeliebte Stiefbruder an der Tür. Noch bevor es einer schafft, ihn wieder aus dem Haus zu werfen, marschiert er mit seinen Stiefel, die noch ganz schmutzig von dem Sumpf, aus dem er gekommen ist, schnurstracks in die Küche und setzt sich an den Tisch auf seinen Lieblingsplatz – ganz rechts Außen.

Der Tumult unter den Bewohner ist natürlich groß. Statt Friede, Freude, Eierkuchen ist Stress angesagt. Aus dem Radio, dass bisher noch keiner bei der GEZ angemeldet hat, dröhnt bald schon wieder Marschmusik statt Reggae. Während es erneut an der Tür klingelt, laufen die ersten, etwas zartbesaiteten aus der Küche in ihr Zimmer, schließen hinter sich ab und stellen eine Kerze ins Fenster.

Da die anderen noch mit der Diskussion darüber beschäftigt sind, was am besten mit dem unliebsamen Gast zu tun sei und niemand an die Tür geht, wird diese kurzerhand eingetreten. Auf der Bildfläche erscheinen gröhlend die Freude des Stiefbruders. Die Hausbewohner flüchten aus der Küche ins Wohnzimmer. Lagebesprechung.

Der erste Vorschlag: Mahnwachen und Linkketten. Die etwas Erfahreneren wenden jedoch ein, dass dies nur der übliche Empörungsreflex sei und zu nichts führen würde. Erneut bricht eine heftige Diskussion aus, während es draußen langsam Dunkel wird und der Besuch in der Küche das Mobiliar zerlegt und die Werte aus dem Fenster wirft. Nach der vierten Abstimmung ohne eindeutige Mehrheit wird zur Beruhigung der Gemüter eine Lichterkette in Kleinbloggersdorf veranstaltet.

Das ist jedenfalls der Eindruck aus der Summe meiner bisherigen Erfahrung, den zahlreichen Mahnwachen und Demonstration, an denen ich teilgenommen habe. Der rechte Mob lacht darüber nur.

Vor längerer Zeit habe ich einen interessanten Artikel darüber gelesen, wie eine kleine Organisation in den USA Rechtsextremisten bekämpft. Statt auf die Straße zu gehen, sucht sie nach möglichen Verstößen gegen das Gesetzt. Falsch parken, Steuerverkürzung, etc. alles wunderbare Vorlagen, um die Rassisten anzuzeigen. Mit dem Mittel der Zivilklage werden die Rechtsextremisten weich gekocht.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch in Deutschland engagierte Anwälte Mittel und Wege finden würden, mit dem der Rechte Mob wirkungsvoller angegangen werden kann als mit einer Lichterkette. So gilt zum Beispiel das Recht am eigene Bild gilt auch für die in Deutschland lebenden ausländischen Mitbürger. Auch die Kommentare zu dem Eintrag sind bestimmt in Richtung Aufstachelung zum Rassenhass und Aufruf zum begehen einer Straftat interpretierbar.

Also künftig keine Link(s)ketten machen, sondern Beweise sichern, sich gegenseitig informieren und einen mutigen Anwalt aufsuchen.

12 Replies to “Empörungslyrik”

  1. Alle Achtung, da ist wohl was an mir vorbei gegangen. Und ich stimme dir ganz und gar zu – einwenig entsetzen reicht kaum aus. Deine Idee der Sache rechtlich bei zu kommen ist sehr gut! Doch bedenke: Die Sache sollte immer so wasserdicht sein, dass die Faschos bei einem geplatzten / gescheiterten Prozess nicht den Eindruck bekommen dürfen rechtmäßig gehandelt zu haben. Ganz schlechtes Beispiel ist auch das NPD-Verbotsverfahren. Ich würde sagen, dass dieser Schuss gehörig nach hinten los gegangen sein dürfte. Deshalb ist es vermutlich sinnvoler den Blog nicht über den Stein des Anstosses juristisch über in die Knie zu zwingen, sondern über andere Verstöße, etwa fehlendes/mangelndes/fehlerhaftes Impressum, Urheberrechtsverletzung bei grafiken, symbolen, bildern (ggf template?) usw.

  2. Eins dieser Blogs wurde schon via Urheberrechtsverletzungen entrümpelt. Ein Hinweis an den SpOn und schon war der mühselig zusammengeklaute Inhalt verschwunden.
    Natürlich nicht ohne die Zusage des „Blogautors“ das er in einer anderen Form zurück kommt.

    Schick wäre es natürlich den unliebsamen Bruder vor die Tür zu setzen damit er in die Nachbarswohnung einzieht. Toll. Wie bekommt man ihn da raus? Ahja, den neuen Vermieter mal drauf hinweisen damit der ihn auch raus wirft.
    War ja ganz geschickt eingefädelt. Denn nun hockt der unliebsame Stiefbruder in der Eigentumswohnung wo ihn so schnell niemand raus bekommt.

    Die Staatsanwaltschaft war übrigens schon aufgrund einer Anzeige auf das angesprochene Blog aufmerksam geworden. Hatte aber keine Rechtsverstöße feststellen können. Hände gebunden, Aktion abgebrochen.

    Und selbst wenn man den Anführern hintenrum eins reinwürgen kann, man macht sie in den Augen ihrer Anhänger in der Regl nur zu Märthyrern.
    Davon mal abgesehen, die Anführer der Braunen Seite des Universums sind in der Regel recht gebildetet und nicht grade dumme Menschen. Das Bild vom dumpfen braunen Mob entsteht doch meistens nur durch die wirklich dumme Anhängerschaft. Und die ist für ihre Anführer nur williges Kanonenfutter.

    Was soll man also machen? Vertreibungspolitik bringt ja nichts. Die ploppen immer wieder von neuem an anderen Orten auf.
    Hinten rum anscheissen? Da trifft man doch meistens nur die Handlanger. Die dicken Fische sind schlau genug nicht selber in Aktion zu treten. Oder wenn, dann rechtlich gesehen auf der sicheren Seite.
    Kerzen anzünden und beten das es irgendwann vorüber ist? Naja…

    Aber vielleicht hilft etwas Aufmerksamkeit um den Druck zu erhöhen. Wer unter Druck steht, macht auch irgendwann Fehler.
    Nur fehlte bei dem besagten Blog bisweilen noch eine breite Aufmerksamkeit/Öffentlichkeit. Viele wussten gar nichts von der Braunen Suppe bei MyBlog obwohl sie dort schon seit ein paar Jahren residieren.
    Jetzt sollte man im ersten Schritt also erstmal mehr Aufmerksamkeit erzeugen. Auf Mißstände hinweisen und zusehen das die nicht heimlich weiter machen können. Die sollen wissen das sie von vielen Seiten kritisch beobachtet werden. Und das sie sich keine Fehler mehr leisten dürfen. Denn beim ersten Fehler gibt es Haue von oben.

    Den unliebsamen Stiefbruder wird man nicht los. Bruder ist Bruder. Man kann ihn in den Untergrund abdrängen. Doch das ist der Ort, wo man ihn sich am wenigsten wünscht. Denn da hat man ihn nicht im Auge. Und was man nicht im Auge hat …
    Aber man kann versuchen dem unliebsamen Stiefbruder immer mal wieder auf die Finger zu klopfen. Ihn im Auge behalten udn versuchen ihn ein wenig umzuerziehen.
    Man darf halt nicht vergessen das der Sack noch irgendwo rumkraucht. Darauf muss man immer mal wieder hinweisen. Zur Not mit einer Lichterkette.

    PS:
    Der Stiefbruder trägt selten Stiefel mit Sumpf dran. Meistens trägt er Armani und Gucci.

  3. Interessante Geschichte. Von der Wirkung virtueller Lichterketten bin ich ebenfalls wenig überzeugt. Noch viel weniger halte ich davon, das Recht der Meinungsfreiheit zu beseitigen. Solange nicht gegen „allgemeine Gesetze“ iSd Art. 5 II GG verstoßen wird, sehe ich keinen Grund, weshalb Hoster rechte Blogs dichtmachen sollten.
    Das gilt um so mehr, als dass der ganze Krempel auf dem Server auf einen im Ausland stehenden Server geschaufelt werden kann.

    Da ist Dein Vorschlag, die Rechten dergestalt „an den Eiern zu packen“, als dass man sie wegen begangener Ordnungswidrigkeiten und Vergehen überführt.

    Um aber das Ganze nicht zum Denunziantentum ausarten zu lassen, schlage ich vor, nur die „Heads of the Movement“ etwas intensiver zu beobachten.
    Eine Aktion gegen alle und jeden, ungeachtet seines Rankings in der Szene dürfte insofern kontraproduktiv sein, als dass sich hier schnell ein „Märtyrer“ aufbauen lässt.

    Zum Schluss noch eine Anmerkung zu den „engagierten Rechtsanwälten“: Hast Du schon eine Idee, wer von denen dieser Berufsgruppe angehörenden Personen in Frage kommen könnte?

    Wer als Rechtsanwalt nur deshalb „Tschüss Deutschland“ sagt, weil er nicht das Geldwäschegesetz beachten mag, wäre ein schlechter Ratgeber. Ist meine Meinung.
    Details hier: http://37sechsblog.de/?p=868

  4. Noch mal zur Erklärung, warum ich vom Stiefbruder gesprochen habe: Der gehört trotz allem nämlich immer noch zur Familie, auch wenn einem das nicht passt. Daher sollte man versuchen mit ihm umzugehen. Auf keinen Fall helfen Parolen wie „Nazis raus!“, denn die sind um nichts besser als „Ausländer raus!“ – in beiden Fällen geht es um Menschen, das sollte niemand vergessen. Wer rechte Parolen mit anderen Inhalten füllt, zeigt nur, dass er ebenso ein Hohlkopf ist.

    Wie bereits geschrieben, meines Erachtens ist einer der möglichen Wege der, über die fomularjuristische Schiene zu fahren. Fehlenes Impressum? Abmahnung! Lizenrechte bei Bilder verletzt? Rechnung schicken! usw.

    Das erzeugt keine Märthyrer, sondern zermürbt den Gegner.

    Was mich auch immer wundert, dass die wenigsten von Greenpeace gelernt haben. Die waren nicht deshalb so erfolgreich, weil sie alles wieder und wieder basisdemokratisch diskutiert haben, sondern weil Greenpeace wie ein Konzern geführt wird.

  5. %% weil Greenpeace wie ein Konzern geführt wird. %%

    Genau, das ist der Punkt. Man sollte sich ruhig die Methoden der Profis zu eigen machen. Mit der geeigneten Strategie und den richtigen Ressourcen kann man einiges bewegen.

    Betroffenheit und Protest sind nur die ersten Schritte. Ich möchte aber dann nicht stehen bleiben. Anscheinend sind doch ein paar Leute bereit, sich anzuschließen … ?!

  6. Du schickst dem Honk ne Rechnung wegen Urheberrechtsverletzung ud was macht der Honk? Der winselt bei seinen Anhängern um Spenden um diese verschwörerischen Machenschaften zu beenden.
    Ich mein, schgaden kann es nicht wenn man die mal verklagt oder denen Rechnungen schickt.
    Aber wie gesagt, ganz so dumm sind sie nicht. Und es gibt auch rechte Anwälte die ggf. sympathisieren und für Lau arbeiten.

    Du hat in deinem Artikel leider einen kleinen Denkfehler. Wenn man in den USA McDoof wegen zu heißen Kaffee auf 8 Millionen Dollar verklagt, hat man gute Chancen auf Erfolg. Macht man das in Deutschland, wird man im besten Fall vom Richter ausgelacht.
    Wenn du denen die Eier mit juristischen Mitteln lang ziehen willst, dann brauchst du dafür in Deutschland schon richtig gute Gründe. Da reicht ein fehlendes Impressum oder ein verletztes Urheberrecht wohl kaum aus.

    Greenpeace finde ich übrigens ein recht schlechtews Beispiel. Denn grade Greenpeace war nie so wirklich peacefull, eher radikal und teilweise auch Gewaltbereit (Gewaltbereitschaft gegen Sachen, nicht gegen Menschen!)
    Auch hat sich Greenpeace in den seltesten an Recht&Gesetz gehalten. So mancher Greenpeace-Aktivist ist zeitweise hinter Gittern verschwunden. Schadenersatzforderungen von bestreikten Unternehmen gegen einzelne Aktivisten konnten nur durch die Hilfe und massives Spendenaufkommen von Greenpeace bestritten werden.

    Aber anstatt zu lamentieren was die beste Methode ist, könnte natürlich jeder sein Ding durchziehen und am Ende schaut man mal was am meisten Erfolg gebracht hat. Der eine stellt halt Kerzen auf, der andere stellt Anzeigen.

  7. Wie durch ein Wunder hab ich auch auf ein typisches Guckt-mal-das-hier-an-das-ist-böse-Posting verzichtet und dann eine Solidaritätsbart-Aktion gestartet. Also der Versuch das Ganze eher mit Verarschung zu kontern. Einige Bärte sind schon dabei. Wenn noch jemand einen Bart oder eine Burka beitragen möchte, gerne. :-)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren